Susch

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Sur Tasna, Bezirk Inn, seit 2015 mit Lavin Teil der Gemeinde Zernez. Am Fuss des Flüelapasses am Inn gelegenes Dorf. 1161 Susis, dt. früher Süs (offizieller Name bis 1943). 1850 401 Einw.; 1900 349; 1950 283; 2000 199. Bronze- und eisenzeitl. Funde auf den Hügeln Chaschlins, Padnal, Motta da Palü und Chaschinas. Die Herren von Süs sind 1299 nachgewiesen. Der Turm La Praschun wird um 1200 erwähnt, der Plantaturm stammt wohl aus dem 13. Jh. Das Dorf wurde 1499 im Schwabenkrieg von österr. Truppen zerstört. 1635 legten Hzg. Henri de Rohan und Jörg Jenatsch auf Chaschinas die sternförmige Festungsanlage Fortezza an. Kirchlich löste sich S. 1325 gemeinsam mit Lavin von Ardez, seit 1422 ist es eine eigene Pfarrei. In der got. Kirche (um 1515) fand 1537-38 die bekannte Disputation der Engadiner Geistlichen statt. 1550 führte S. die Reformation ein; erster ref. Pfarrer war Ulrich Campell. 1652 kaufte sich S. von Österreich los und gehörte bis 1851 zur Gerichtsgemeinde Obtasna. Die erschlossenen Weidegebiete im Flüela- und Vereinatal wurden im 14. bzw. im 16. Jh. an Davos bzw. an Prättigauer Gemeinden verkauft. S. lebte bis zum Bau der Engadiner Linie der Rhät. Bahn 1913 vorwiegend vom Passverkehr über den Flüela. 1925 wütete ein grosser Dorfbrand. 1999 wurde der Vereinatunnel eröffnet, was zu einem Anstieg der Beschäftigten im 3. Sektor führte (2005 65%). 2000 waren 65% der Bevölkerung rätorom., 30% dt. Muttersprache.


Literatur
– O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984, 196-198
Gem. GR 2003, 362 f.

Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm