Lavin

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Sur Tasna, Bezirk Inn, seit 2015 mit Susch Teil der Gemeinde Zernez. Strassendorf links des Inns, Landsgemeindeort des Kreises. Im 12. Jh. Lawinis. 1835 359 Einw.; 1850 367; 1900 249; 1950 242; 1970 155; 1990 184; 2000 174. Mittelbronzezeitl. Siedlungsstelle auf Las Muottas. Erst im 13. und 14. Jh. erscheint L. als geschlossenes Dorf. Der schon um 1160 erw. Weiler Gonda ist seit dem 17. Jh. Wüstung (seit 1983 restauriert). L. war bis 1325 nach Ardez kirchgenössig, wurde danach kirchlich gemeinsam mit Susch betreut und ist seit 1422 eine eigene Pfarrei. 1529 unter Philipp Gallicius reformiert. Um 1500 Bau der heutigen Kirche mit bedeutenden spätgot. Malereien, die 1955-56 freigelegt wurden. 1499 und 1622 Zerstörung von L. durch österr. Truppen. 1652 Loskauf von Österreich, bis 1851 Zugehörigkeit zur Gerichtsgem. Untertasna. In der Neuzeit betrieb L. Viehwirtschaft, Getreidebau, Holzexport und Solddienste. Am Lavinuozbach Gewerbebetriebe sowie Verhüttungsanlagen für die im 18. Jh. geförderten Kupfererze. 1869 brannten 68 Häuser bei einem Dorfbrand nieder; das heutige Dorfbild ist geprägt durch den nur teilweise erfolgten Wiederaufbau. 1913 RhB-Station. 1971 Umfahrungsstrasse. 1999 wurde der Eisenbahntunnel Vereina eröffnet, dessen Südportal mit Autoverladestation sich auf L.er Gebiet befindet. 2000 arbeitete gut die Hälfte der in L. Erwerbstätigen im 3. Sektor; 77% der Bevölkerung sprachen rätoromanisch.


Literatur
– N. Caviezel, L., 1985
– U. Clavadetscher, M. Janosa, «Die Wüstung Gonda bei L.», in Archäologie in Graubünden, 1992, 378-383

Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm