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Ardez

Polit. Gem. GR, Kreis Sur Tasna, Bez. Inn. Dorf links des Inns, mit Bos-cha und Sur En. Um 840 Ardezis, dt. bis ins 19. Jh. Steinsberg. 1835 599 Einw.;1850 586; 1900 612; 1910 1'005 (Bahnbau); 1950 541; 2000 401. Bei Bos-cha wurden prähist. Schalensteine ("Hexensteine"), bei Chanoua Keramik der Fritzens-Sanzeno-Kultur gefunden. Für Suotchastè ergaben die Untersuchungen eine Siedlungskontinuität von der späten Bronzezeit (Melauner Kultur) bis in die jüngere Eisenzeit (Fritzens-Sanzeno); auch die röm. Zeit ist mit Funden vertreten. 1161-1310 sind Herren de Ardetz nachgewiesen. Die Herren von Tarasp, das Kloster Marienberg, der Bf. von Chur, die Grafschaft Tirol und die Vögte von Matsch hatten Besitzungen und Rechte in A. Die Burg Steinsberg, zunächst Kirchenkastell (Kirche St. Luzi 1985 restauriert), ab dem 12. Jh. Feudalsitz, ging vor 1209 durch Kauf an den Bf. von Chur über und bildete danach den bischöfl. Herrschaftsmittelpunkt. Sie wurde 1499 im Schwabenkrieg zusammen mit dem Dorf zerstört (Turm mehrmals restauriert). Die alte Pfarrei A. umfasste neben A. auch Guarda, Lavin, Susch sowie Galtür im tirol. Paznauntal. Der Übertritt zur Reformation erfolgte 1538, der Neubau der Kirche 1576-77. Das Dorf, 1622 von den Österreichern zerstört, kaufte sich 1652 von Österreich los und gehörte bis 1851 zur Gerichtsgem. Obtasna. Die Einw. von A. betrieben Ackerbau und Viehzucht, kolonisierten die Weidegebiete um Galtür jenseits des Futschölpasses und exportierten bis Mitte des 19. Jh. Holz ins Tirol. Häufig stritten sie mit Ftan um die Grenze im Val Tasna und mit Tarasp um die Innbrücke. 1913 erhielt A. eine RhB-Station, 1978 eine Umfahrungsstrasse. Bereits 1939 wurde mit Güterzusammenlegungen begonnen. Das weitgehend intakte geschlossene Dorf wurde 1975 als eines der vier schweiz. Musterdörfer im Rahmen des europ. Denkmalpflege- und Heimatschutzjahres gewählt; danach wurden zahlreiche Restaurierungen durchgeführt. 1990 arbeiteten 58% der in A. Erwerbstätigen im 3. Sektor, der Rest verteilte sich auf Gewerbe und Landwirtschaft. Der rätorom. Sprachanteil betrug 73%.


Literatur
– O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984
– J. Claglüna, A., Gemeindechronik, 41985
Bericht zur Réalisation exemplaire A. 1975-85, hg. von Stiftung Pro A., 1986
– N. Huhn, Galtür und A., 1999

Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm