05/11/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Flims

Polit. Gem. GR, Kreis Trin, Bez. Imboden. F. liegt auf einer Terrasse nördl. über der Rheinschlucht und umfasst die Weiler Fidaz und Scheia sowie die tourist. Siedlung F.-Waldhaus. 765 Fleme, rätorom. Flem. Die Landschaft ist von Flüssen und Seen geprägt (Caumasee usw.) und als Folge eines prähist. Bergsturzes stark gekammert. 1850 906 Einw.; 1900 789; 1950 1'148; 2000 2'549.

Ein Landesausbau erfolgte erst ab dem FrühMA, 765 ist unter dem Besitz der Viktoriden Rodungsland erwähnt. Das Kloster Pfäfers besass um 840 einen Herrschaftshof mit zwei Kirchen (vermutlich in F. und Fidaz), einer Mühle und drei Huben mit 50 Jucharten Ackerland und u.a. Tuchabgaben. Weitere geistl. und weltl. Grundherren im MA waren das Kloster St. Luzi, der Bf. von Chur, die Frh. von Belmont und ihre Nachfolger von Sax-Misox. Nach 1300 siedelten später romanisierte Walser aus Vals in Fidaz und Scheia. Der Flimserwald war seit jeher Barriere und Grenze zur Surselva; südlich der Strasse nach Trin (Val Serris) sind Reste einer alten Talsperre erhalten. F. gehörte ab 1399 als Gerichtsgemeinde zum Grauen Bund und kaufte sich 1412 von der Pfäferser Schirmvogtei, 1538 von den an Chur übergegangenen Sax-Misoxer Herrschaftsrechten los.

Die Pfarrkirche St. Martin und Antonius in F. und die Filialkirche St. Simplicius in Fidaz sind 1440 erwähnt; der Auskauf der Pfarrrechte erfolgte 1526 und 1528 beim Übertritt zur Reformation. Die abgegangenen Kapellen St. Elisabeth bei Vallorca, in deren Nähe St. Luzius, St. Placidus links des Val Stenna, alle 1488 erwähnt, sowie St. Nikolaus in Richtung Staderas stehen wohl in Zusammenhang mit dem intensiveren Landesausbau und dem Lukmanierverkehr im SpätMA. Dazu passen die Stätte Marcau (Marktort) bei St. Elisabeth und die Flur Staderas (Waagen) an der Grenze zu Laax. Die Sage des "Gion Paul da Flem stai si" spielt auf die Bedeutung der Alpen auf dem Flimserstein und auf gegenseitige Viehraubzüge von Glarnern und Bündnern im MA an und symbolisiert die Wachsamkeit in gefahrvoller Zeit.

Die Geschicke von F. waren über Jahrhunderte von der Fam. Capol bestimmt. Viele Flimser standen bis ins 19. Jh. in ausländ. Solddiensten. Die Lawinen und Rüfen von 1810 waren Folgen des Raubbaus an den Waldungen im 18. Jh. Im 19. Jh. entwickelte sich F. kontinuierlich zum Kurort (Molkenkuren): 1839 Gasthof zu den Waldhäusern, 1870 Hotel Segnes, 1875 Kur- und Seebadanstalt am Caumasee, 1877 Hotel Kurhaus (Parkhotel). 1910 begann der Wintertourismus. Hotellerie und Ferienhäuser erfuhren nach dem 2. Weltkrieg einen starken Aufschwung, Skilifte und Sesselbahnen wurden ausgebaut (erste Sesselbahn Europas 1947). Der Tourismus ist heute beherrschender Wirtschaftszweig, gefolgt von Gewerbe und Landwirtschaft (2000 32 Betriebe). Die Gemeinde hat ein eigenes Elektrizitätswerk. 2000 waren mehr als drei Viertel der Beschäftigten im 3. Sektor tätig, darunter viele Zupendler. Eine kath. Kirche besteht seit 1937. Der Anteil der rom. Sprache ist von 71% (1920) auf 7,5% (2000) zurückgegangen.


Literatur
– H. Anliker, F., 1961 (21982)

Autorin/Autor: Martin Bundi