Felsberg

Polit. Gem. GR, Kreis Trin, Bez. Imboden. In der schmalen Talebene nördl. des Rheins zwischen Chur und Domat/Ems gelegen. Um 840 in villa Fagonio, daraus rätorom. Favugn, 1290 dt. veltsperch. 1850 482 Einw.; 1900 647; 1950 939; 1980 1'369; 1990 1'772; 2000 2'029.

Funde aus dem Neolithikum in der Kessihöhle und in der Tgilväderlishöhle lassen auf eine Besiedlung um 2000 v.Chr. schliessen. Einzelfunde aus der Bronzezeit (Schwert, Dolch mit gegossener Grifftülle). Hallstattzeitl. Tongefäss (7. Jh. v.Chr.). Die im 15. Jh. verlassene Burg F. war wohl von den Herren von Frauenberg gebaut worden, die bis zu Beginn des 14. Jh. für das Kloster Reichenau grundherrl. Rechte ausübten; letzte Mauerreste fanden im 19. Jh. Verwendung beim Wuhr- und Schulhausbau. Herrschaftsrechte und Burg gingen um 1315 an die Gf. von Werdenberg-Sargans, 1368 an Ulrich II. Brun von Rhäzüns. F. teilte danach die polit. Geschichte der Herrschaft Rhäzüns. Bei der Kreiseinteilung 1851 wurde das im Gegensatz zu den anderen Nachbarschaften des Gerichts Rhäzüns um 1535 zur Reformation übergetretene und früh germanisierte F. zum Kreis Trin geschlagen. Die Kirche ist 1305, das Thomas-Patrozinium 1481 erwähnt; zum Kirchspiel gehörte bis 1526 Says. Die heute ref. Kirche ist ein spätgot. Neubau aus dem frühen 16. Jh. Wiederholte Bergstürze zwischen 1832 und 1850 erzwangen die Verlegung eines Grossteils des Dorfes nach Osten aus der Gefahrenzone heraus (Neu-F./Neudorf). Kleinere Goldvorkommen am Calanda wurden im frühen 19. Jh. abgebaut, daraus etwa 100 Bündner Dublonen geprägt. 1832 kaufte F. die Alp Tambo bei Splügen. Weinbau, der 1910 aufgegeben worden war, wird seit 1973 wieder betrieben. 1796-1817 bestand in F. eine Indienne-Baumwollfabrik. 1817-1910 stellte die Glockengiesserei Theus über 220 Glocken her, u.a. das Geläute der Churer St. Martinskirche. Seit 1898 befindet sich in F. eine Orgelbaufirma. Neben der Landwirtschaft wurden bis ins 19. Jh. Holz und Waren auf dem Rhein bis nach Rheineck geflösst. Am Ende des 20. Jh. rund 70% Wegpendler v.a. nach Chur und in die Ems-Chemie AG.


Literatur
Kdm GR 3, 1940, 38-42
– A. Schneller, F., 1983
– O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984

Autorin/Autor: Linus Bühler