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Rhäzüns (Gemeinde)

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Polit. Gem. GR, Kreis R., Bez. Imboden. Strassendorf in der Ebene zwischen Bonaduz und der Talenge zum Domleschg. Um 840 Raezunne, rätorom. Razén. 1850 508 Einw.; 1900 495; 1950 774; 2000 1'201.

Die Geschichte des Dorfs ist eng mit jener der gleichnamigen Herrschaft verbunden. Im 10. Jh. bildeten R. und Bonaduz gemeinsam einen befestigten Bezirk, in dem sich eine Kirche befand (sehr wahrscheinlich S. Gieri/St. Georg). Im Hoch- und SpätMA Teil der Herrschaft der Frh. von R., gehörte R. ab 1424 mit Bonaduz, Ems und Felsberg als Gerichtsgemeinde zum Grauen Bund. Nach dem Aussterben der Herren von R. 1458 gelangte diese engere Herrschaft an die Gf. von Zollern, 1497 an Maximilian I. von Österreich. Im 16. Jh. schieden R. und Bonaduz ihre Weiden, Alpen und Wälder aus. R. blieb zur Reformationszeit beim kath. Glauben. Die Kirche S. Gieri/St. Georg dürfte die alte Pfarrkirche von R. und Bonaduz gewesen sein. Der älteste Bau wird archäologisch in das 6./7. Jh. datiert. Im 2. Viertel des 14. Jh. wurde der Chor neu gebaut, hernach die Kirche in zwei Etappen vollständig ausgemalt; als Auftraggeber sind die Frh. von R. anzusehen. Von einer ersten Hand stammen die Dekoration des Chors, der Ostwand (mit der Georgslegende) sowie der Drachenkampf und das Stifterbild an der nördl. Langseite. Von einer anderen Hand sind der Rest der Nordwand, die West- und Südwand mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie mit Heiligengeschichten bemalt. Die 1701 geweihte Barockkirche St. Mariä Geburt löste erst 1777 St. Paul als Pfarrkirche ab. Durch einen Beschluss des Wiener Kongresses ging die Herrschaft R. 1819 an den Kt. Graubünden über. Das Dorf lag früher an einer wichtigen Weggabelung und Durchgangsstrasse nach Süden (Reichenau). Um die Wende zum 20. Jh. zerstörten mehrere Brände das ursprüngl. Dorfbild. Seit 1850 wird das Wasser der bekannten Mineralquelle genutzt. 2000 waren 67% der erwerbstätigen Rhäzünser Pendler, v.a. nach Chur, Bonaduz und Domat/Ems (Ems-Chemie AG). Der rätorom. Sprachanteil stand 2000 bei 10%.


Literatur
Kdm GR 3, 1940, 42-78
– F. Oswald et al., Vorrom. Kirchenbauten, 1966-71 (21990), 269 f.

Autorin/Autor: Linus Bühler