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Domat/Ems

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Polit. Gem. GR, Kreis Rhäzüns, Bez. Imboden. Geschlossene Dorfsiedlung am rechten Ufer des Rheins in der einzigartigen Landschaft der Tumas (Hügel). 765 colonia de Amede. Seit 1943 offizieller Name D., früher dt. Ems, rätorom. Domat. 1850 1'247 Einw.; 1900 1'504; 1941 1'955; 1960 3'469; 1970 5'701; 1990 6'442; 2000 6'372.

Siedlungsreste bei der Tuma Casti stammen aus der Spätbronzezeit (ca. 11. Jh. v.Chr.). Im MA besassen die Klöster Pfäfers und Disentis, die Frh. von Rhäzüns, Belmont, Wildenberg und das Churer Domkapitel grundherrl. Streubesitz. Die vermutlich im 13. Jh. errichtete Burg auf der danach benannten Tuma Casti befand sich als bischöfl. Lehen in den Händen der Belmont, gelangte mit dem Dorf D. 1371 an die Montalt und Sax, 1380 an die Frh. von Rhäzüns und geriet in der 2. Hälfte des 15. Jh. in Verfall. Der mächtige Turm war um 1700 eingestürzt. 1255 siegte der Bf. von Chur bei D. über eine rät. Adelskoalition. Zusammen mit den Nachbarschaften Rhäzüns, Bonaduz und Felsberg bildete D. in der Herrschaft Rhäzüns die gleichnamige Gerichtsgem. im 1424 entstandenen Grauen Bund. Nach dem Aussterben der Herren von Rhäzüns um 1458 kam D. an die Gf. von Zollern, 1497 an Kg. Maximilian I. Die karoling. Kirche S. Pieder/St. Peter wurde um 800 auf einem Vorgängerbau des 7./8. Jh. an der Ostseite der Tuma Casti errichtet. In das 12. Jh. datiert der Bau der Pfarrkirche S. Gion Baptista/St. Johann der Täufer auf der Tuma Turera. Der mächtige Wehrturm scheint von Anfang an in die Kirchenanlage einbezogen worden zu sein. Von einem Umbau der Kirche im spätgot. Stil zu Beginn des 16. Jh. stammt der Flügelaltar mit wertvollen Schnitzarbeiten. Während der Reformation blieb D. beim alten Glauben. 1739 wurde die neue Pfarrkirche Nossa Dunna d'Avuost/Mariä Himmelfahrt im Dorfkern eingeweiht, der Hauptaltar von Ks. Karl VI. gestiftet. Das Dorf brannte 1776 fast ganz ab. 1800, 1870 und 1903 folgten weitere Dorfbrände. Am 3.5.1799 wurde der Oberländer Landsturm bei D. von den Franzosen vernichtend geschlagen. 1815 ging die Herrschaft Rhäzüns und damit D. 1819 an den Kt. Graubünden über. Erst 1942 trennten sich die Bürgergemeinde und die polit. Gemeinde.

Bis in die 1. Hälfte des 20. Jh. prägte die dreistufige Landwirtschaft mit Talbetrieb, Maiensäss und Alpen die Dorfökonomie. Neben der Alp Urtgicla am Dreibündenstein besitzt die Gem. seit 1469 die Alp Ranasca in Pigniu. Daneben werden in der Rheinebene Getreide, seit dem 19. Jh. auch Kartoffeln angebaut. Bis in die Mitte des 19. Jh. boten Solddienste v.a. für Spanien, das Königreich beider Sizilien, bis ins 18. Jh. auch für Frankreich alternative Erwerbsquellen für jüngere Männer. Nach der Mitte des 19. Jh. trat die saisonale Beschäftigung in der europ., seit 1900 vermehrt in der schweiz. Hotellerie in den Vordergrund. Die Schwabengängerei führte zudem ab ca. 1850 Kinder und Jugendliche als saisonale Arbeitskräfte nach Süddeutschland. D. liegt an der 1896 eröffneten Bahnlinie Chur-Thusis und an der 1961 erbauten A13.

Die 1936 durch Werner Oswald gegr. Holzverzuckerungs-AG (Hovag) nahm 1941 mit Bundessubventionen die Produktion des sog. Emser Wassers (Treibstoffersatz) auf. 1956 lehnte das Schweizer Volk eine weitere finanzielle Unterstützung ab, wonach auf Kunstdünger- und Kunstfaser-Herstellung umgestellt wurde. Ab 1960 wurde unter dem Namen Emser Werke, ab 1981 unter der Bezeichnung Ems-Chemie AG produziert. Die Industrialisierung und der allg. Konjunkturaufschwung nach dem 2. Weltkrieg wirkten tief greifend: 1941 waren 20% der in D. Erwerbstätigen im 1., 46% im 2. und 34% im 3. Sektor beschäftigt. 2000 dominierte der 2. Sektor mit knapp zwei Drittel der Beschäftigten. 53% Wegpendler. Die dt. Sprache bedrängt das Rätoromanische: 1920 83% rätorom., 2000 12%. Im Zeitraum 1920-2000 ist der kath. Bevölkerungsanteil von 96% auf knapp zwei Drittel zurückgegangen.


Literatur
– G. Federspiel, Emser Gesch., 3 Bde., 1938 (21960-61)
Kdm GR 3, 1940, 10-38
– K. Jörger, D., 1963
– L. Bühler et al., D., 2000

Autorin/Autor: Linus Bühler