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Zellweger, Johann Caspar

getauft 24.2.1768 Trogen, gestorben 31.1.1855 Trogen, ref., von Trogen. Sohn des Johannes ( -> 18) und der Anna Hirzel. Schwager des Johann Martin Schirmer. ∞ 1790 Dorothea Gessner, Tochter des Salomon Gessner. Schwager von Heinrich Gessner und Konrad Gessner. Nach Privatunterricht in Zürich und Trogen erhielt Z. 1782-86 im Zweigbetrieb Lyon des väterl. Handelsunternehmens eine kaufmänn. Ausbildung. 1786 wechselte er in die Genueser Filiale, die er in den 1790er Jahren leitete. 1799 kehrte er nach Trogen zurück. Nach dem Tod des Vaters 1802 wurde Z. mit seinem Bruder Jacob ( -> 12) Besitzer der Handelsfirma Zellweger & Comp., die er als Geschäftsführer leitete. Als Wohn- und Geschäftshaus liess er 1802-09 in Trogen den sog. Fünfeckpalast bauen. 1808 trat er aus gesundheitl. Gründen aus der Firma aus. Er behielt aber die Leitung der Spinnereifabrik, deren Gründung er 1804 in Trogen initiiert hatte und die als eine der Ersten mit leistungsfähigen wasserradbetriebenen Maschinen ausgerüstet war. Als die Fabrik 1814 niederbrannte, verzichtete Z. auf einen Wiederaufbau und beendete seine unternehmer. Karriere.

Politisch wirkte Z. während der Helvetik 1800-02 als Vizepräsident der Munizipalität Trogen sowie als Erziehungsrat im Kt. Säntis, für den er mit der Aufhebung des Einfuhrverbots für Rohstoffe eine Lockerung der Handelssperren erzielte. 1822 wurde er als politisch unbelastete Respektsperson zum eidg. Zollrevisor ernannt. Seine Bemühungen für ein schweiz. Zollkonkordat scheiterten jedoch und liessen ihn 1833 zurücktreten. Nach 1814 betrieb Z. neben gemeinnütziger Tätigkeit Quellenstudien und hist. Forschung. Er verfasste umfangreiche Werke zur Appenzeller Geschichte sowie zu den diplomat. Beziehungen der Schweiz mit Frankreich. Diese Forschungen verstand er primär als Beitrag zur Volksbildung, einem seiner zentralen Anliegen. Durch Erziehung wollte er die Armut mindern und so Handel und Gewerbe fördern. Bereits seine Spinnereifabrik mit den dort zahlreich beschäftigten Kindern hatte ihm als pädagog. Experimentierfeld gedient. Harte Arbeit gekoppelt mit schul. und kirchl. Unterweisung am Sonntag schien ihm die beste Erziehungsmethode. Inspiriert von Philipp Emanuel von Fellenberg gründete Z. in Trogen 1820 die Kantonsschule und 1824 die Armenschule. Beiden schenkte er die notwendigen Gebäude und Einrichtungen, den Leiter der Armenschule, Johann Konrad Z., liess er auf eigene Kosten in Hofwil ausbilden. 1835 gab er den Anstoss zur Gründung der Erziehungsanstalt Bächtelen in Wabern. Zur eidg. Integrationsfigur wurde Z. über seine Tätigkeit im Vorstand der Schweiz. Gemeinnützigen Gesellschaft, die dank seiner Impulse 1823, 1835 und 1850 vor der Auflösung bewahrt wurde. Er führte die Gesellschaft nach 1823 von der Theorie weg zur prakt. Philanthropie. Seine zahlreichen Referate und Aufsätze wiesen ihm innerhalb der Gesellschaft eine Sonderstellung zu. Z. war auch Mitinitiant der 1821 gegr. Sparkasse Trogen, 1822 Mitgründer der sankt-gall.-appenzell. Gemeinnützigen Gesellschaft, die er später präsidierte, und 1841 Neugründer der Schweiz. Geschichtforschenden Gesellschaft, der er bis 1843 vorstand. Er gehört zu den herausragendsten Schweizer Vertretern des Philanthropismus. 1844 verlieh ihm die Univ. Bern den Ehrendoktor.


Werke
Gesch. des Appenzell. Volkes, 4 Bde., 1830-40
Urk. zu Joh. Caspar Z.'s Gesch. des appenzell. Volkes, 7 Bde., 1831-38
Gesch. der diplomat. Verhältnisse der Schweiz mit Frankreich von 1698 bis 1784, 2 Bde., 1848-49
Archive
– KBAR, Autobiogr., Briefe und Schr.
– StAAR, Kommerzialarchiv Z., Geschäftsbücher
Literatur
– Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 2, 616-620
– P. Witschi, Appenzeller in aller Welt, 1994, 212-214
– T. Klöti, «Die Zollkarte der Schweiz (1825) von Johann Kaspar Z. und Heinrich Keller», in Cartographica Helvetica, 1996, H. 14, 25-34
– Holderegger, Unternehmer, 97-99, 529
– B. Schumacher, Freiwillig verpflichtet, 2010

Autorin/Autor: Thomas Fuchs