Pignia

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Schams, Bezirk Hinterrhein, seit 2009 mit Clugin Teil der Gemeinde Andeer. Haufendorf rechts des Hinterrheins, mit Bogn (Bad). 1219 Pignigo, dt. früher Pignieu. 1803 129 Einw.; 1850 177; 1900 108; 1950 107; 1970 78; 2000 111. Das Gemeindegebiet zählte zu dem schon im frühen 13. Jh. ausgebauten Siedlungsland mit Viehwirtschaft und Kornanbau; Güter besassen v.a. das Bistum Chur und das Kloster Cazis. Die Herrschaftsrechte im Schams hatten nacheinander die Vazer, die Werdenberger und ab 1456 das Bistum inne. 1458 kaufte sich das Tal aus. Kirchlich gehörte P. bis 1601 zu St. Martin in Zillis; die Kapelle St. Valentin wird 1518 erwähnt. Die Reformation wurde um 1530 eingeführt. P. und Andeer sind zu einer Pfarrgemeinschaft zusammengeschlossen, nur 1782-1840 war P. eine selbstständige Pfarrei. Als Nachbarschaft der Gerichtsgemeinde Schams (bis 1851) bildete P. mit Andeer, Ausser- und Innerferrera ein kleines Zivilgericht. Die eisenhaltige Quelle in Bogn wurde bis 1893 genutzt (eine 1829 erstellte Leitung versorgte ausserdem Kurbetriebe in Andeer). Das Bad profitierte von der Lage an der 1818-23 neu angelegten Strasse zu den Pässen Splügen bzw. San Bernardino; die Fahrstrasse ins Dorf entstand erst 1900. Eine Melioration erfolgte 1971-81. 2000 bestanden acht Landwirtschaftsbetriebe; 2005 stellte der 1. Sektor in P. gut die Hälfte der Arbeitsplätze.


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 219-221
– C. Simonett, «Die Erbschaft um "das Bad" in P., 1621-1680», in BM, 1953, 33-60

Autorin/Autor: Jürg Simonett