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Pfungen

Polit. Gem. ZH, Bez. Winterthur, südl. der Töss, mit dem Dorf P. auf einem Sporn des Multbergs, Hofsiedlungen im Rumstal und den im 19. Jh. entstandenen Industriesiedlungen im Bruni und in der Tössniederung Neu-P. 993/994 Funginga. 1467 ca. 50 Einw.; 1633 240; 1850 522; 1900 1'061; 1950 1'278; 1970 1'870; 2000 2'486.

Spätbronzezeitl. Siedlungsspuren im Areal der im frühen 14. Jh. zerstörten Burg der Frh. von Wart auf dem Multberg. Frühma. Besiedlung auf dem Moränenkamm, spätere Siedlungen im unteren Rumstal. Überliefert sind ein Aufenthalt des fränk. Wanderapostels Pirmin im Tössfeld und eine damit verbundene Schenkung von Land und Leuten in P. durch den alemann. Herzogssohn Uatilo an das Kloster Reichenau. Das 1463 erwähnte, in der Region einzigartige Pirmin-Patrozinium der 1275 erstmals genannten Kirche verweist auf Reichenauer Einfluss bei dem vor der Jahrtausendwende erfolgten ältesten Kirchenbau. Im 13. Jh. waren die Frh. von Wart Inhaber des Burglehens P. mit Kelnhof und Kirchensatz. Nach versch. niederadligen Inhabern lag die Gerichtsherrschaft P. 1454-1524 bei den Wellenberg (Offnung von 1479), danach bei Mitgliedern der Fam. Steiner. 1629 erwarb Winterthur deren Rechte und schuf das Amt P. Als Teil der Grafschaft Kyburg gelangte das Hochgericht über P. 1452 endgültig an Zürich.

Ackerbau und ab dem 15. Jh. zunehmend Viehwirtschaft sowie ländl. Bedarfsgewerbe am Mühlebach bestimmten die dörfl. Wirtschaft bis ins 19. Jh. Die Industrialisierung brachte zunächst Beschäftigung in den Fabriken von Neftenbach, Wülflingen und Winterthur. Die 1838 ausgebaute Strasse Winterthur-Embrach förderte P.s Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung. Erster Unternehmer in P. war Hans Georg Steiner (u.a. Abbau von Sand für die Glashütte Bülach und Sulzer, Ziegelherstellung). Die Ziegelei ging 1889 an Johann Jakob Keller über. Sie entwickelte sich dank ausgedehnten Gehänge- und Seelehmlagern zum modernen Grossbetrieb. 1854 errichtete der Winterthurer Ferdinand Gottlieb Ernst die Wollwarenfabrik Neu-P., welche die Wasserkraft der Töss nutzte. Die daraus entstandene Schweiz. Tuch- und Deckenfabrik Eskimo wurde 1983 nach Turbenthal verlegt. Die Fabrikgebäude sind zum Gewerbezentrum umgestaltet worden.

Die verkehrsgünstige Lage P.s und die wachsende Mobilität bewogen ab 1960 viele in Winterthur und im Raum Zürich Beschäftigte, hier Wohnsitz zu nehmen. Die Bevölkerungsstruktur ist dadurch vielgestaltig geworden. Zu Beginn des 21. Jh. bestanden noch vier landwirtschaftl. Betriebe. Wegen der topograf. Auffächerung ist das Dorf in einzelne Viertel gegliedert. Der ursprüngl. Siedlungskern veränderte sich trotz vieler Neubauten nur wenig.


Literatur
Kdm ZH 7, 1986, 172-212
– H. Steiner, M. Bont, P., 993-1993, 1993

Autorin/Autor: Heini Steiner