23/01/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Innerferrera

Polit. Gem. GR, Kreis Schams, Bez. Hinterrhein. Haufendorf am Averser Rhein. 1556 Canicül, rom. Calantgil. 1808 57 Einw.; 1850 106; 1880 52; 1900 55; 1950 67; 1960 286 (Bau der Staumauer); 2000 49. Ab dem 11. Jh. von Romanen ausgebaute Siedlung. Die Herrschaftsrechte im ganzen Schams besass zuerst das Bistum Chur, dann die Vazer, die Werdenberger, ab 1456 bis zum Talauskauf 1458 erneut Chur. Der erste Kirchenbau stammt aus vorreformator. Zeit (Patrozinien unbekannt, Reformation vor 1538), die heutige Kirche von 1834. Bis ins 20. Jh. wurde neben Viehwirtschaft Erz abgebaut und verhüttet (Niederlassung von österr. Knappen). 1837 erfolgte die Trennung von Ausserferrera. Bis 1851 war I. eine Nachbarschaft der Gerichtsgem. Schams und bildete ein kleines (Zivil-)Gericht mit Ausserferrera, Andeer und Pignia. Die Kontakte zu Italien wurden über den Pass da Niemet (Ausfuhr von Küferarbeiten) hergestellt. Bis nach dem 2. Weltkrieg spielte der Schmuggel eine Rolle. 1890-95 wurde die Talstrasse gebaut. Seit dem Landtausch mit Italien (1962-63) bildet die Staumauer der Kraftwerke Hinterrhein im Valle di Lei eine Exklave der Gem. I. Der rom. Sprachanteil verringerte sich innert zwanzig Jahren von 22% (1980) auf 4% (2000).


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 203-208
– H. Stäbler, «Bergbau im Schams, im Ferreratal und im vorderen Rheinwald», in JHGG 106, 1976

Autorin/Autor: Jürg Simonett