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Andeer

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Politische Gemeinde GR, Kreis Schams, Bezirk Hinterrhein. Strassendorf am Hinterrhein, mit Bärenburg sowie seit 2009 mit Clugin und Pignia. 1208 Anders. 1803 402 Einw.; 1850 591; 1880 601; 1900 499; 1950 631; 1960 988; 1980 582; 2000 669. A. entspricht evtl. dem röm. Lapidaria. Eisen- und römerzeitl. Funde sowie frühgesch. Gräber am Eingang zur Roflaschlucht sprechen gegen die früher postulierte Höhenumgehung. Die Entwicklung A.s im früh besiedelten Schams fand ihre Grenzen in der grossen Wildwassergefahr (Hochwasser z.B. 1834, 1868). Mitte des 12. Jh. wird die Siedlung ad Bargone als Zentrum eines Hofs in A. genannt. Mitte des 13. Jh. belehnte das Bistum Chur die Frh. von Vaz mit dem Grosshof. Die Herrschaftsrechte im Schams hatten nacheinander die Vazer, die Werdenberger und ab 1456 wieder Chur inne. 1458 kaufte sich das Tal aus. Kirchlich gehörte A. zu St. Martin in Zillis. Eine vermutlich nach 700 errichtete Kapelle St. Stephan in der Roflaschlucht ist abgegangen. Die 1419 erw. Kapelle St. Michael erhielt 1480 eine Kuratkaplanei. Um 1530 ref., löste sich A. kirchlich 1601 vollständig von Zillis. Der Ausbau des Wegs durch die Viamala (1473) und die Eröffnung der Sust der Port Schams (1593) erhöhten den Anteil am Verkehr über Splügen- und S. Bernardinopass. Erz wurde bis ins 19. Jh. abgebaut und verhüttet. Bis 1851 war A. eine Nachbarschaft der Gerichtsgemeinden Schams und bildete mit Pignia, Ausser- und Innerferrera ein kleines (Zivil-)Gericht. Neben Viehwirtschaft (1831 erste Viehversicherung des Kantons) boten der nach dem Bau der Fahrstrasse (1818-23) erneute Verkehrsaufschwung und ab 1829 das Heilbad Erwerbsmöglichkeiten. A. löste im 19. Jh. Zillis als Zentrum des Schams ab. Die Eröffnung der Gotthardbahn (1882) führte das Dorf durch den Verlust des Transitverkehrs in die Wirtschaftskrise. Im 20. Jh. boten v.a. drei Granitsteinbrüche, die Zentrale der Kraftwerke Hinterrhein (1962), das 1982 neu erbaute Heilbad sowie Wander- und Badetourismus (1986 540 Fremdenbetten, wovon 46% in Zweitwohnungen) Arbeitsplätze (1990 54% im 3., 37% im 2. Sektor). Der rätorom. Sprachanteil ist von ca. 80% (1860) auf 15% (1990) gesunken.


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 182-192
Gem. GR

Autorin/Autor: Jürg Simonett