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Neftenbach

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Polit. Gem. ZH, Bez. Winterthur. Strassen- und Bachzeilendorf in einem Seitental der Töss mit Siedlungskern um die Kirche, den Weilern Hünikon, Aesch, Riet und Irchelhöfen. 1209 Neftinbach. 1836 1'452 Einw.; 1850 1'490; 1880 1'421; 1900 1'608; 1950 1'853; 1970 2'180; 2000 4'504.

In N. wurden Beigaben (Armringe, Dolchklinge) bronzezeitl. Gräber aufgefunden. Im röm. Gutshof in der Steinmöri, einer um die Mitte des 1. Jh. aus Holz, gegen Ende des 1. Jh. aus Stein erstellten Anlage, kam 1986 ein Münzhort mit 1'243 röm. Silbermünzen (197-265 n.Chr.) zum Vorschein. Grabfunde aus dem 7. Jh. (u.a. Zierscheibe mit Reiterdarstellung am Chliberg) weisen auf die alemann. Besiedlung N.s vor den Ausbausiedlungen Hünikon und Gollikon (heute Huben) hin. Die Grund- und Gerichtsherrschaft, im 13. Jh. Reichenauer Lehen der Frh. von Wart, ging 1322 von diesen an Johann Truchsess von Diessenhofen über. Der ma. Gerichtsplatz lag nördl. der Chämibrücke an der Reichsstrasse. Eine Hälfte der Herrschaft gelangte 1410 an die Breitenlandenberger und 1540 an Zürich, die andere 1439 an das Kloster Paradies und 1611 an Zürich. Das Hochgericht der Grafschaft Kyburg kam 1264 an die Habsburger, 1452 an Zürich. Der Kirchensatz der 1209 indirekt erw. Kirche (Mauritiuspatrozinium?) war ebenfalls Reichenauer Lehen der Frh. von Wart und gelangte spätestens 1383 an die Truchsessen von Diessenhofen. Im 15. Jh. regelte die bäuerl. Gemeinde die Nutzung der verzelgten Ackerfluren und der Allmenden; von besonderer Bedeutung war daneben der Rebbau. Den wohlhabenden Vollbauern stand eine wachsende Mehrheit armer Rebleute und Taglöhner gegenüber. Im 19. Jh. hielt die Industrie durch die Spinnerei Hard (Gem. Wülflingen, 1802) und die Rotfarb (1820) früh Einzug. Die Bevölkerung des Dorfes N. stieg durch Fabrikarbeiter an; Hünikon, Aesch und Riet blieben Agrardörfer. 1839 wurde die gedeckte Tössbrücke im Bruni gebaut (1974 durch Strassenbrücke ersetzt). Die Korrektion der Töss (1877) förderte die Urbarisierung und Besiedlung der Auenlandschaft.

Erst die helvet. Munizipalgemeinde N. vereinigte die Dörfer (1803-1928 Zivilgemeinden) N., Hünikon, Aesch sowie Riet (1836-1928 Zivilgem.). Bestrebungen in Hünikon zur Bildung einer polit. Gem. blieben 1803 erfolglos. Im 19. Jh. betrieb fast jede Fam. Rebbau (1882 92,2 ha Reben). Durch Schädlinge und mangelnde Rentabilität verringerte sich die Rebfläche bis 1962 auf 7,4 ha, um danach wieder zuzunehmen (1990 21,9 ha); die ehem. Reblage Rötel/Wolfzangen ist seit 1950 Wohnzone. Mit der Melioration von 1970 änderte sich die Siedlungsstruktur: Die Landwirtschaftsbetriebe wurden ausgesiedelt, die Bauernhäuser im Dorfkern zu Wohnhäusern umgebaut. Industrie und Gewerbe siedelten sich in der Tössallmend und im Aspacher an. Ab 1980 entstanden die Überbauungen Herrgass, Chämi und Sattelacker. Nach 1990 setzte eine rege Bautätigkeit in Hünikon, Aesch und Riet ein. Mit Winterthur besteht eine Postautoverbindung.


Literatur
– E. Ott et al., Gesch. der Gem. N., 1979
Kdm ZH 8, 1986
– H.-M. von Känel et al., Der Münzhort aus dem Gutshof in N., 1993
– J. Rychener et al., Der röm. Gutshof in N., 2. Bde., 1999

Autorin/Autor: Eugen Ott