23/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Adlikon

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Haufendorf südl. der Thur mit den Weilern (bis 1931 Zivilgem.) Dätwil und Niederwil. 1255 Adilinkon. 1872 wurde Humlikon abgetrennt und selbstständige Gem. 1467 46 Erwachsene; 1470 27; 1634 253 Einw.; 1850 569 (ohne Humlikon); 1900 432; 1950 394; 2000 587.

Röm. Gutshöfe lagen bei Niederwil (Steinmürli) und Dätwil (Tiefenau, Im Koller). Die Ortsnamen erschliessen die früh- und hochma. Siedlungsvorgänge: In ein grossräumiges Feld älterer -ikon-Namen schiebt sich auf einem Plateau östl. des Dorfes A. ein Gürtel mit jüngeren -wil-Namen, die allg. einer frühen Ausbauphase (8.-11. Jh.) zugerechnet werden. Im SpätMA setzte in diesem Bereich ein Wüstungsprozess ein: Der Weiler Schadenwil (1249 erw.) und zwei Höfe gingen ab. Von den offenbar verlassenen oder extensiver genutzten Fluren nahm eine Beginensammlung (Haslen, 1435 erw.) Besitz, in der sich Töchter aus der ländl. Oberschicht verpfründeten. Das Haus verfügte über einen beträchtl. Viehbestand in der Eigenwirtschaft, offenbar wegen der für Ackerbau ungünstigen Bodenverhältnisse. Bei Dätwil drohte die Thur stets Kulturland wegzuspülen, was eine dauernde Existenzangst bewirkte. Als Teil der Herrschaft Andelfingen kam A. 1434 zu Zürich. Ein Einzugsbrief datiert von 1587. Mit der Mediation (1803) wurde A. Teil der Gem. Andelfingen, nach 1817 wieder selbstständig. Kirchl. gehört A. zu Andelfingen. Während der Bau der Bahnlinie Winterthur-Schaffhausen 1857 keine Entwicklung auslöste, leitete die Autostrasse durch das Weinland 1958 den Wandel zur halbagrar. Gem. ein: Bis 1990 wurde das Quartierplangebiet Halden weitgehend mit Einfamilienhäusern überbaut (1990 61% Wegpendler).


Literatur
– E. Stauber, Gesch. der Kirchgem. Andelfingen, 3 Bde., 1940-43
– K. Wanner, Siedlungen, Kontinuität und Wüstungen im nördl. Kt. Zürich (9.-15. Jh.), 1984, 171-182

Autorin/Autor: Martin Illi