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Splügen

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Polit. Gem. GR, Kreis Rheinwald, Bez. Hinterrhein, die seit 2006 auch Medels im Rheinwald umfasst. Haufendorf an der Gabelung der beiden Passrouten Splügen und San Bernardino. Um 840 cella in Speluca, rätorom. Spleia. 1690 360 Einw.; 1850 494; 1900 373; 1930 336, 1950 387; 2000 365. Östlich des Dorfes wurden bronze- und eisenzeitl. Funde entdeckt. Bei der im Churrät. Reichsgutsurbar erwähnten cella handelte es sich um eine Filiale des Klosters Pfäfers. Ursprünglich war S. von Romanen aus dem Schams besiedelt. 1219 unterzeichneten Petrus und Albertus de Speluga im Friedensvertrag zwischen Schams und Chiavenna. Um 1290 siedelten sich - vom Hinterrhein her - mehrheitlich aus dem Formazzatal und Simplon stammende Walser in S. an. Vermutlich in diesem Zusammenhang errichteten die Frh. von Vaz eine Burg westlich des Dorfs. Passverkehr und Warentransit gewannen ab dem 15. Jh. grosse Bedeutung. 1443 bewilligten die Gf. von Werdenberg-Sargans S. die Abhaltung eines Jahr- und eines Wochenmarkts. Kirchlich gehörte S. im MA zur Grosspfarrei St. Martin in Schams (Gem. Zillis), ab einem nicht bekannten Zeitpunkt zu Hinterrhein. Um 1500 existierten zwei Privatkaplaneien mit Sakramentsprivileg. Um 1517 ging dieses auf die neue Pfarrkirche St. Vincentius über, 1527 auch die letzten Rechte der Mutterpfarrei St. Martin. Formell wurde S. wahrscheinlich erst nach dem Glaubenswechsel 1530 selbstständig. 1689 wurde die heutige Kirche gebaut; ihre Vorgängerinnen waren eine hochma. Kapelle westlich und eine Kirche aus dem 15. Jh. östlich des Dorfs (mit Altarflügel um 1490 im Landesmuseum Zürich). 1716 zerstörte ein Brand das Dorf weitgehend. 1799 besetzte eine franz. Division unter General Claude-Jacques Lecourbe den Ort, 1800 ebenso die "Armée des Grisons" des Generals Etienne Jacques Macdonald, die am 6. Dez. den Splügenpass Richtung Chiavenna überquerte. 1818-23 wurde die Kommerzialstrasse über den Splügenpass erstellt. Trotz der Zunahme des Fracht- und Reiseverkehrs erfolgte jetzt die erste Auswanderungswelle in die Nachbarländer. Nach der Eröffnung der Gotthardbahn brach der Warentransit über die beiden Pässe zusammen (1856 14'000 t; 1883 1'000 t), was mit ein Grund für eine zweite Auswanderungswelle nach Nordamerika und Neuseeland war. 1944 gelang es den Einheimischen, das Projekt Gross-Stausee Rheinwald abzuwehren, das den Untergang des Dorfs zur Folge gehabt hätte. Seit der Eröffnung des Bernhardin-Strassentunnels 1967 entwickelte sich S. zum Touristenort (v.a. Wintersport). 95% der Einwohner sind deutschsprachig.


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 259-272
S., ein Dorf, ein Pass, eine Landschaft, hg. von K. Wanner, 1972
Gem. GR
– K. Wanner-Hössli, Die Kirche von S. und ihre Gesch., 1985

Autorin/Autor: Kurt Wanner