• <b>Peter Falck</b><br>Als Schultheiss im "Totentanz" von Niklaus Manuel auf der Friedhofsmauer des Berner Dominikanerklosters, um 1519/1520. Originalgetreue Kopie in Gouache von  Albrecht Kauw (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen. Kauw kopierte die Totentanzszenen auf der Friedhofsmauer 1649 kurz vor ihrer vollständigen Zerstörung.

No 3

Falck, Peter

geboren um 1468, gestorben 6.10.1519 an der Pest auf der Rückreise von seiner zweiten Jerusalemfahrt, begraben in der Franziskanerkirche auf Rhodos (Grabinschrift 1520 von Heinrich Wölfli angebracht, Grab 1830 zerstört). Sohn des Bernhard, Freiburger Stadtschreibers. ∞ 1497 Anna von Garmiswil (gestorben 1518), Tochter des Hugo, Freiburger Ratsherrn. Nach dem Besuch einer Rechtsschule im Elsass (evtl. bei Sebastian Murr in Colmar) um 1490 machte F. eine glänzende polit. und militär. Karriere. 1493 wurde er Notar, im gleichen Jahr in die Bürgerschaft und in den Rat der Zweihundert aufgenommen. 1493-1505 war er Gerichtsschreiber, 1502-03 und 1504 auch Landrichter. 1494-1511 sass er im Rat der Sechzig und amtierte 1503 als Vogt von Villarepos, 1505-10 als Schultheiss von Murten, 1510-11 als Venner des Burgquartiers. In dieser Funktion trat F., ein Freund von Matthäus Schiner, 1511 als öffentl. Ankläger im Prozess gegen Franz Arsent auf. 1511-16 sass F. im Kl. Rat, 1511-14 bekleidete er das Amt des Bürgermeisters und 1516-19 das des Schultheissen. 1499 nahm er als Venner und Feldschreiber der Freiburger Truppen am Schwabenkrieg und 1510 am Chiasserzug teil, 1512 befehligte er die Freiburger auf dem Pavierzug. F. spielte zu dieser Zeit in der Eidgenossenschaft eine einflussreiche Rolle. Ab 1510 vertrat er Freiburg an zahlreichen Tagsatzungen. 1512-13 nahm er an der eidg. Gesandtschaft nach Rom und Venedig teil und erreichte in Verhandlungen mit den Päpsten Julius II. und Leo X. die Erhebung von St. Nikolaus in Freiburg zum Kollegiatstift. 1513-14 war F. als eidg. Gesandter in Mailand. 1515-16 unternahm er eine erste Wallfahrt nach Jerusalem. Anlässlich einer eidg. Gesandtschaftsreise nach Paris 1517 schlug ihn Kg. Franz I. zum Ritter. Am 5.5.1519 erwarb F. Burg und Herrschaft Bärfischen. Über F.s zweite Jerusalemfahrt, die er 1519 mit 17 weiteren Eidgenossen unternahm, sind vier Parallelberichte überliefert.

F. gilt als Begründer der humanist. Bewegung in Freiburg. Er förderte Wissenschaft und Kunst und pflegte Kontakte zu den Humanisten Erasmus von Rotterdam, John Watson, Johannes Langenfels, Johannes Dantsicus und Ambrogio del Mayno. Zu F.s Schweizer Freundeskreis gehörten Ludwig Sterner, Huldrych Zwingli, Oswald Myconius, Vadian, Glarean, der ihm seine "Isagoge in musicen" widmete, und Niklaus Manuel, der ihn als Schultheiss in seine Totentanzdarstellung am Berner Dominikanerkloster aufnahm. Die im 20. Jh. gefundene Privatbibliothek (seit 1982 grösstenteils in der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg) mit 270 Werken in 130 Bänden zeugt von F.s herausragender Bildung, die den ma. Werten verhaftet blieb und zugleich der ital. Renaissance gegenüber offen war.

<b>Peter Falck</b><br>Als Schultheiss im "Totentanz" von Niklaus Manuel auf der Friedhofsmauer des Berner Dominikanerklosters, um 1519/1520. Originalgetreue Kopie in Gouache von  Albrecht Kauw (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.<BR/>Kauw kopierte die Totentanzszenen auf der Friedhofsmauer 1649 kurz vor ihrer vollständigen Zerstörung.<BR/>
Als Schultheiss im "Totentanz" von Niklaus Manuel auf der Friedhofsmauer des Berner Dominikanerklosters, um 1519/1520. Originalgetreue Kopie in Gouache von Albrecht Kauw (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.
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Archive
– StAFR, Briefslg.; FamA Praroman
– KUBF, Slg. Girard, Bd. 8
Literatur
– J. Zimmermann, «Peter F. Ein Freiburger Staatsmann und Heerführer», in FGB 12, 1905, 1-151
– A. Wagner, «Peter F.s Bibliothek und humanist. Bildung», in FGB 28, 1926, 1-221
– J. Stenzl, «Peter F. und die Musik in Freiburg», in Schweiz. Musikztg. 121, 1981, 289-296
– J. Leisibach, «Le premier cercle humaniste fribourgeois: autour de Pierre F.», in Bonae Litterae, 1996, 16-23
– E. Tremp, «Ein Freiburger "Europäer", begraben in Rhodos: Peter F. (um 1468-1519) und sein Humanistenkreis», in Freiburg auf den Wegen Europas, 2000, 58-65, (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Ernst Tremp