Medels im Rheinwald

Ehem. polit. Gem. GR, Kreis Rheinwald, Bez. Hinterrhein. Seit 2006 Teil der Gem. Splügen. Nahe der S.-Bernardino-Strasse gelegene Streusiedlung mit den Fraktionen Dorf, Döörfli, Nühuus und früher Aebi. Vor 1336 Medels, rätorom. Medel (Valrain). 1781 139 Einw.; 1850 89; 1900 69; 1950 47; 2000 46. Ursprünglich von Romanen aus dem Schams als Alpgebiet genutzt. Um 1300 Einwanderung von Walsern, v.a. aus dem ital. Pomat (Val Formazza). Bis 1277 dem Schirm der Frh. von Sax-Misox unterstellt, dann im Besitz der Vazer. In der Aebi westlich des Dorfs wurde vom 15. Jh. bis 1856 alljährlich die Rheinwalder Landsgemeinde abgehalten. Kirchlich gehörte M. erst zum Kapitel S. Giovanni e S. Vittore im Misox, dann zur Pfarrei Hinterrhein. Nach der Einführung der Reformation um 1530 Anschluss an Splügen. 1708 Kirchenbau. 1726 eigene Kirchgemeinde, ab 1886 wieder mit Splügen vereint. Bis ins 19. Jh. lebte die Bevölkerung von M. v.a. vom Transitverkehr über den Splügen, daneben von Viehzucht mit Alpwirtschaft. Hochwasser führte 1868 zur Aufgabe der Siedlung Aebi. 1955 Schliessung der Schule und Anschluss an die Schulgemeinde Splügen. 1974-84 Melioration (Güterzusammenlegungen, Lawinenverbauungen). Heute ist M. ein reines Bauerndorf mit deutschsprachiger Einwohnerschaft.


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 256
Gem. GR
– E. Rizzi, L'archivio Sacco-Trivulzio e la colonizzazione Walser nel Rheinwald, 1985
– K. Wanner, «M., die kleinste Walsergemeinde Graubündens», in Wir Walser, 1990, 34-38

Autorin/Autor: Kurt Wanner