Hinterrhein

Polit. Gem. GR, Kreis Rheinwald, Bez. H. Haufendorf am Nordportal des S. Bernardino-Strassentunnels. 1219 de Reno. 1781 171 Einw.; 1850 163; 1900 147; 1950 94; 1990 68; 2000 105. In vorwalser. Zeit als Alpgebiet genutzt. H. lag bis ins 13. Jh. im Herrschaftsgebiet der Herren von Sax-Misox. 1219 schenkten diese ihre Eigenkirche St. Peter der Kollegiatskirche in S. Vittore. H. ist die älteste urkundlich nachweisbare Walsersiedlung in Graubünden: 1274 Schirmvertrag des Frh. Albert von Sax-Misox mit den Walser Brüdern Jakob und Hubert; 1286 Erblehensvertrag zwischen dem Stift S. Vittore und einer mehrheitlich aus dem Formazzatal und aus Simplon stammenden, deutschsprachigen Siedlergruppe. 1301 erste Erwähnung der Nachbarschaft H. Die Säumerei über den S. Bernardino bildete neben Land- und Alpwirtschaft vom Beginn des 14. Jh. bis zum Ende des 19. Jh. die wirtschaftl. Basis der Leute von H.; Sust aus dem Jahre 1580. Am alten Saumpfad sog. Landbrüggä von Peter Zurr aus dem Jahre 1692, bereits 1696 nach Teileinsturz renoviert. 1799 und 1800 Plünderungen durch franz. und österr. Truppen. 1960-67 Bau des S. Bernardino-Strassentunnels (2006 Abschluss der Tunnelsanierung). Seit 1965 westlich von H. Panzerwaffenplatz des EMD.

Der Bez. H. bestand ab 1851 aus den drei Kreisen Schams, Avers und Rheinwald. Er entsprach dem 1801 geschaffenen "6. District des hintern Rheins" im Kt. Rhätien der Helvet. Republik. Seit dem 12.3.2000 gehören auch die Kreise Domleschg und Thusis, seit dem 1.1.2001 der ehemalige Bez. Heinzenberg (allerdings ohne den Kreis Safien) zum Bez. H.


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 251-256
– E. Rizzi, L'archivio Sacco-Trivulzio e la colonizzazione Walser nel Rheinwald, 1985
Gem. GR
– S. Conzett, Bergdorf H., 2005
– L. Röösli, H.: Umbruch im Bergdorf [DVD], 2005

Autorin/Autor: Kurt Wanner