03/09/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Avers

Polit. Gem. und Kreis GR, Bez. Hinterrhein. Das Siedlungsbild wird durch Einzelhöfe und Weiler geprägt, darunter Cresta, das polit. und kirchl. Zentrum, und Juf, die höchst gelegene Dauersiedlung Europas auf 2126 m. Die Gem. umfasst das Tal des Jufer bzw. Averser Rheins sowie die Seitentäler Madris und Bergalga. 1292 Anue (Avre?), 1354 Auers, rätorom. Avras. 1645 498 Einw.; 1850 293; 1900 204; 1950 167; 1960 270; 2000 160.

Eine Rundnackenaxt (Ende Jungsteinzeit) und drei Grabfunde (3.-6. Jh. n.Chr.) weisen auf früheste menschl. Anwesenheit hin, doch ist das Tal wohl erst vom 11. Jh. an durch das Hospiz St. Peter auf dem Septimerpass mit einer rätorom. Bevölkerung besiedelt worden. Nach 1280 trafen aus dem Pomat (I) stammende deutschspr. Walser ein, die sich zunächst nur auf der obersten Talstufe niederliessen. Bis 1310-20 breiteten sie sich über das ganze Tal aus und verdrängten die rätorom. Bevölkerung und deren Sprache. Die Walsersiedlung stand anfängl. unter Schutz der Stadt Como, im frühen 14. Jh. wurde das Bistum Chur Landesherr. Im Rahmen des Gotteshausbundes (ab 1367) verselbstständigte sich A., schloss 1498 ein Bündnis mit der Eidgenossenschaft und war ab 1524-26 Teil der Drei Bünde. Neben der wohl aus dem frühen 14. Jh. stammenden Pfarrkirche in Cresta (urspr. wohl St. Theodul-, evtl. St. Nikolaus-Patrozinium) standen in Madris und evtl. in Cröt Kapellen. 1525-30 trat A. zur Reformation über. Die Gemeindebildung ist evtl. schon für 1292, sicher für 1377 belegt (Gerichtsgem.). Die Landbücher von 1622 und 1644 stellen Erneuerungen älterer Statuten dar. Bis 1867 war das Rathaus Gerichtssitz. 1652-64 war A. Schauplatz mehrerer Hexenprozesse und -hinrichtungen. Seit 1851 ist A. Gem. und Kreis, seit 1902 auch eigener Wahlkreis, was dem Tal eine ständige Vertretung im Gr. Rat sichert. Auf der Basis von Einzelsennerei und Korporationssystem wurde Vieh- und Alpwirtschaft betrieben. Der Viehhandel orientierte sich bis Mitte des 19. Jh. über die Pässe Forcellina und Septimer nach Süden (oberital. Städte). Bereits im 17. Jh. auftretende krisenhafte Erscheinungen (Verschuldung, zahlreiche Verpachtungen an die Fam. von Salis, Bevölkerungsrückgang) erreichten im 19. Jh. ihren Höhepunkt.

1895 erfolgte mit dem Strassenbau der Anschluss an das kant. Verkehrsnetz, doch setzte erst mit dem Bau des Staubeckens im Valle di Lei 1958-63 (Wasserzinsen, Stromversorgung, Ausbau der Zufahrtsstrasse zur A 13) ein Aufschwung ein. Ausser in der durch die Stiftung Pro A. geförderten Landwirtschaft findet die Bevölkerung von A. dank Sommer- und zunehmend auch Wintertourismus (v.a. Privatquartiere) weitere Erwerbsmöglichkeiten.


Literatur
– H. Weber, A., 1985
– H. Weber, «Die Walserkolonie des A.», in BM, 1987, 198-212

Autorin/Autor: Hermann Weber