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Cohn, Arthur

geboren Febr. 1862 Flatow (Preussen), gestorben 19.3.1926 Basel, isr., Deutscher. Sohn des Chajim Heimann, Rabbiners von Flatow. ∞ 1887 Betty C., Tochter des Markus, Getreidehändlers, von Rawitsch (Preussen, heute Polen). 1885 Diplom des Rabbiner-Seminars von Berlin, Promotion bei Theodor Mommsen an der Univ. Berlin. 1885-1926 war C. erster vollamtl. Rabbiner der Isr. Gemeinde Basel und wirkte zudem in versch. Schweizer Gemeinden (u.a. in Luzern). C. trat erfolgreich dafür ein, dass Gottesdienst und Gemeinde grundsätzlich dem orthodoxen Judentum verpflichtet blieben und sich die Anhänger der Reformbewegung in Basel nicht durchsetzen konnten. 1897 nahm er als Zuschauer am ersten Zionistenkongress teil, der u.a. auf sein Eintreten hin in Basel stattfinden konnte. Anders als viele seiner dt. Kollegen war C. zunächst begeistert von der zionist. Bewegung, wandte sich jedoch am 10. Zionistenkongress (1911) von ihr ab, da er die religiösen Forderungen nicht adäquat berücksichtigt sah. Auf seinen Aufruf von 1911 hin erfolgte 1912 die Gründung der orthodoxen Organisation Agudat Israel im dt. Kattowitz (heute Polen), die als nichtzionist. Organisation jüd. Interessen vertrat. 1907 rief C. den Zentralverein zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz ins Leben, dessen Ziele (Stud. der Tora, Religionsunterricht, Förderung des religiösen Lebens) denjenigen der 1885 in Deutschland gegr. Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums vergleichbar waren. 1909 begründete C. ein Schweiz. Komitee für Erez Jisroel. Er gab überdies das "Jüd. Jahrbuch für die Schweiz" (1916/17) heraus. Seine öffentl. Vorträge fanden ein breites Echo. 1928 wurde eine von C. selber zusammengestellte Auswahl aus seinen Predigten, Reden und Aufsätzen unter dem Titel "Von Israels Lehre und Leben" publiziert.


Literatur
Jüd. Lex. 1, 1927, 1424
– N. Guth Biasini, «Arthur C., der Rabbiner der Basler Gem.», in Der erste Zionistenkongress von 1897, hg. von H. Haumann, 1997, 168

Autorin/Autor: Nadia Guth Biasini