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Thusis

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Polit. Gem. und Kreis GR, Bez. Hinterrhein. Zentrum des Hinterrheingebiets am nördl. Ausgang der Viamala, beim Zusammenfluss von Hinterrhein und Nolla, umfasst seit 1875 auch den Weiler Übernolla. 1156 Tosana; rätorom. Tusaun. 1629 542 Einw.; 1850 769; 1900 1'281; 1950 1'616; 2000 2'717. Röm. Fundmünzen. Ein bischöfl. Grosshof im Bereich Masein-T. wird 1156 erwähnt; weitere Grundbesitzer waren das Klosters Cazis, die Thumb von Neuburg und die Frh. von Rhäzüns. Um 1200 setzte der bischöfl. Vitzdum in einem Brückenrodel Vorschriften zu Bau und Unterhalt der Rheinbrücke zwischen T. und Sils in Kraft. Die urkundlich nicht erw. Burg Ober-Tagstein südwestlich von T. dürfte aus dem ausgehenden 13. Jh. stammen. Landesherren waren bis 1337 die Vazer, dann die Werdenberger und die Rhäzünser sowie ab 1475 der Bf. von Chur, der 1491 eine Dorfordnung erliess. Kirchlich gehörte T. zu St. Johann auf Hohenrätien; die Kapelle Unserer Lieben Frau ist Mitte des 15. Jh. bezeugt. Ein Neubau erfolgte 1491, die Einrichtung der Pfarrei mit den Filialkirchen St. Albin in Carschenna oberhalb Sils und St. Florin in Masein 1505, die Einführung der Reformation 1525. Bereits Mitte des 16. Jh. war T. germanisiert. Es initiierte 1473 die Verbesserung des Wegs durch die Viamala mit. Die Port (Transportgenossenschaft) besorgte mit Masein den Warenverkehr auf ihrem Abschnitt der Route zum Splügen und zum San Bernardino. Die bündner. Strafgerichte von 1573 und 1618/19 fanden im zentral gelegenen T. statt. Im Ort wurden bedeutende Jahr- und Wochenmärkte abgehalten; 1614 werden 40 Handwerksleute, 40 Warenhandlungen, 20 Brotläden und 12 Wirtshäuser erwähnt. Der fast städt. Charakter wurde durch die Gründung des Handelshauses Rosenroll in der 1. Hälfte des 17. Jh. sowie durch die Ankunft franz. Refugianten um 1700 noch verstärkt. Die Nachbarschaft T. gehörte bis 1851 mit Masein, Cazis und Tartar zur gleichnamigen Gerichtsgemeinde und mit Heinzenberg, Tschappina und Safien zum wiederum gleichnamigen Hochgericht. Der Auskauf der letzten bischöfl. Rechte datiert 1709. Regelmässig gefährden Ausbrüche des Wildbaches Nolla Teile der Gem.; nach 1800 wurde im Überschwemmungsgebiet von Rhein und Nolla zusätzl. Land urbarisiert. Der Bau der Fahrstrasse Richtung Splügen und San Bernardino 1818-23 brachte T. einen markanten Aufschwung, der 1882 mit der Eröffnung der Gotthardbahn sein Ende fand. Nach dem Dorfbrand von 1845 entstand Neu-T. im rechten Winkel zum alten Dorfteil entlang der Nolla. Die Schinstrasse Richtung Albula und Julier wurde 1868-69, die innere Heinzenbergerstrasse 1900-01 angelegt. Die Strecke Chur-T. der Rhät. Bahn war 1896, deren Fortführung ins Engadin 1903 fertig gestellt. Ein erstes Elektrizitätswerk stammt von 1898, das Spital von 1912. Die Karbidfabrik bestand 1898-1914. Seit 1950 ist T. Verwaltungssitz der Kraftwerke Hinterrhein AG. Die A13 mit dem San Bernardino-Tunnel (1967) brachte dem Etappenort T. einen neuen Verkehrsaufschwung. 90% der Bevölkerung von T. waren 2000 deutsch-, knapp 5% romanischsprachig.


Literatur
Kdm GR 3, 1940, 213-222
Heimatbuch T., Viamala, 1973
– D.L. Vischer, Die Gesch. des Hochwasserschutzes in der Schweiz, 2003, 156-161

Autorin/Autor: Jürg Simonett