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Cazis (Gemeinde)

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Polit. Gem. GR, Kreis Thusis, Bez. Heinzenberg. Talgem. westl. des Hinterrheins, mit dem Strassendorf C., den Siedlungen Ober- und Unterrealta, Luvreu, Ratitsch, Summaprada, Schauenberg und Valleina. 926 Cacias, rom. Tgazas. 1803 420 Einw.; 1850 755; 1900 738; 1950 1'441; 1970 1'687; 2000 1'575.

1 - Ur- und Frühgeschichte

Auf der markanten Kuppe des Petrushügels wurden 1938-40 und 1951 Grabungen, 1981-82 Nachgrabungen durchgeführt. Neben einer grösseren Grube mit Kulturschicht -- nach den ersten Grabungen als jungsteinzeitl. Grubenhaus gedeutet -- und mehreren Herd- und Feuerstellen wurden auch Trockenmauerkonstruktionen, Steinsetzungen und Pfostenverfärbungen beobachtet. Das Fundmaterial umfasst dickwandige Keramik, Steinbeile, Silex- und andere Steinartefakte sowie Knochen- und Hirschgeweihgeräte und datiert in das späte 4. und das 3. Jt. v.Chr. Durch die Nachgrabungen sind auch bronzezeitl. und spätma. Bodenbefunde belegt. Die Station wird gegenwärtig als saisonal begangenes Areal für Jagd, Viehweide, Stein- und Knochen-/Hirschgeweihverarbeitung interpretiert.

Die bronze- und eisenzeitl. Siedlung Cresta liegt in einer schluchtartigen Felskluft auf einer Hügelkuppe. Grabungen fanden 1943-44 und 1947-70 statt. In der Felskluft wurden mehrere Meter dicke Kulturschichten mit früh-, mittel- und spätbronzezeitl. sowie auch eisenzeitl. Siedlungsniveaus gefasst. Bedeutende Siedlungsstrukturen der frühen und mittleren Bronzezeit mit einzeiliger Reihensiedlung und Weganlage sind belegt, ebenso zahlreiche einfache Holzhütten-Konstruktionen mit Herdstellen. Reichhaltig ist das Fundmaterial der sog. inneralpinen Bronzezeit-Kultur.

Autorin/Autor: Jürg Rageth

2 - Mittelalter bis heute

Reste eines Rundturms (vermutlich 11./12. Jh.) finden sich bei Rentiel, hochma. Burgstellen (ohne Mauerreste) in Montair/Montera und Niederrealta. Mit fünf Grosshöfen in C. und am Heinzenberg wurde das Stift C. vom 12. Jh. an grösste Grundbesitzerin der linken Talseite. Die Pfarrrechte von St. Martin, eines frühma. Kirchenbaus, gelangten 1156 (erstmals erw.) an die Klosterkirche St. Peter. Landesherren waren bis 1337 die Frh. von Vaz, sodann Werdenberger und Rhäzünser. Die Nachbarschaft C. war 1473 Mitinitiantin zur Verbesserung des Viamala-Wegs. Als Teil der Port Imboden profitierte sie vom Transitverkehr, somit auch von der 1818-23 erbauten Fahrstrasse über den Splügenpass. Bis 1851 war C. Teil der Gerichtsgem. Thusis; die bischöfl. Rechte waren 1709 ausgekauft worden. Die Rheinkorrektion nach 1830 erschloss Kulturland in Realta. Dort entstanden 1855 die Kant. Strafanstalt und 1919 die Psychiatr. Klinik. 1896 erhielten C. und Rodels-Realta RhB-Stationen. Seit 1955 führen die Klosterfrauen eine Haushaltungsschule. Der rätorom. Sprachanteil ist von knapp 60% (1860) auf 5% (2000) gesunken.

Autorin/Autor: Jürg Simonett

Quellen und Literatur

Literatur
– Kdm GR 3, 1940, 178-200
JbSGUF 43, 1953, 118 f.; 51, 1964, 97 f.; 53, 1966/67, 99 f.; 56, 1971, 183-185
– Gem. GR
– M. Primas, C.-Petrushügel in Graubünden, 1985
– R. Wyss, Die bronzezeitl. Hügelsiedlung Cresta bei Cazis, 2002