07/02/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Safien

Polit. Gem. GR, Kreis S., Bez. Surselva, die Weiler- und Einzelhofsiedlungen im mittleren und hinteren Safiental sowie das Zentrum S.-Platz umfasst (1350 m). 1219 Stosavia, rom. Stussavgia. 1803 770 Einw.; 1850 685; 1900 455; 1950 453; 2000 308. Funde aus Bronze- und Römerzeit. S. wurde als Teil der Grafschaft Schams ursprünglich von Romanen aus den Gebieten Heinzenberg, Schams und Rheinwald bewirtschaftet. Die Ansiedlung deutschsprachiger Walser, v.a. aus dem Rheinwald, erfolgte offenbar planmässig zwischen 1300 und 1310 auf Betreiben der Herren von Vaz, die als bischöfl. Lehensnehmer bis 1338 Landesherren waren. Einen zweiten Besiedlungsschub und den Landesausbau förderten die Werdenberger, denen 1383 die Räzünser als Landesherren folgten. 1493 erwarben die Trivulzio die Hoheitsrechte, die sie zum Teil bis 1675/96 innehatten. Bereits 1362 ist S. als selbstständig handelnde Gem. mit Ammann und Geschworenen bezeugt. Die privilegierte Rechtsstellung hält ein Schirmbrief von 1450 fest. 1498 organisierten sich die "dütschen lüt" in den "Bürden" Malönja (Thalkirch), Camana, Zalön (Platz) und Salpänna (Neukirch). Noch um 1500 scheinen auch Romanen in S. gewohnt zu haben. Die Grundherrschaft gehörte im grössten Teil des Tales dem Domleschger Kloster Cazis, das gemäss dem Urbar von 1512 13 Höfe besass; die Güter wurden im Erblehen bebaut. Die Kirche von Thalkirch (St. Maria, hl. drei Könige, Theodul u.a.) wird erstmals 1441 erwähnt, diejenige von Platz (St. Johann Baptist) 1448. Die Reformation wurde 1526 eingeführt. Das Gotteshaus in Neukirch, das wie Thalkirch im 18. und 19. Jh. einen eigenen Pfarrer hatte, stammt von 1698. S. bildete bis 1851 eine eigene Gerichtsgemeinde im Hochgericht Thusis. Seine Aussenbeziehungen pflegte es v.a. über die Saumwege des Glaspasses nach Thusis sowie des Safierbergs ins Rheinwald und weiter nach Süden. Die Einführung der Baumwollspinnerei als Hausindustrie Mitte des 18. Jh. blieb ohne dauerhaften Erfolg. Das klass. Viehwirtschaftsgebiet führte seine Tiere vorwiegend auf die oberital. Märkte aus. Bis in die Gegenwart haben sich Reste der traditionellen Einzelsennerei auf den privaten Korporationsalpen erhalten. Der Bau der Fahrstrasse nach Versam (1882-85) bewirkte eine Umorientierung des Tales Richtung Norden. Die starke Abwanderung im 19. und in der 1. Hälfte des 20. Jh. liess zahlreiche Wüstungen entstehen. Die Zentrale Platz der Zervreila-Kraftwerke stammt von 1957. Nahezu 100% der Bevölkerung waren 2000 deutschsprachig. 2005 stellte der 1. Sektor noch 65% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
Kdm GR 4, 1942, 131-139
– H.P. Jäger, Das Safiental, 1975

Autorin/Autor: Jürg Simonett