Otto von Passau

Erw. zwischen 1362 und 1385 als Konventuale im Basler Barfüsserkloster der Franziskaner, Beiname wohl auf die Herkunft deutend. Als Verfasser des myst. Erbauungsbuchs "Die 24 Alten oder der goldene Thron der minnenden Seele" nimmt O. Bezug auf die 24 Alten am Thron Gottes (Apokalypse 4,4). Er ordnet jeder dieser autoritativen Figuren einen Abschnitt zu und ihre Aussagen speisen sich aus Bibelzitaten, den Vätern, scholast. Theologen (rund 100 Autoren namhaft gemacht), nicht aber aus den Mystikern des 14. Jh. (Meister Eckhart, Johannes Tauler, Heinrich Seuse). Thematisch berührt O. ein weites Spektrum von Gott, den letzten Dingen oder vom Handeln und Sein des Menschen. Sein Werk hatte Erfolg und wurde bis ans Ende des 15. Jh. im ganzen dt. und niederländ. Sprachraum rezipiert. Überliefert sind ca. 130, z.T. illustrierte Handschriften und etwa ein Dutzend Inkunabeln.


Literatur
VL 7, 229-234
– I. von Burg, «Gestern ein Bestseller - heute vergessen», in MA-Rezeption IV, hg. von I. von Burg, 1991, 1-10
– «Otto di Passau», in Mistici francescani 2, hg. von G. Zaggia, 1997, 1073-1078

Autorin/Autor: André Schnyder