• <b>Sils im Domleschg</b><br>Felszeichnungen von Carschenna. Ausschnitt aus einer archäologischen Aufnahme von  Brigitte Gubler,   August 1995 (Schweizerisches Nationalmuseum).

Sils im Domleschg

Polit. Gem. GR, Kreis Domleschg, Bez. Hinterrhein. Strassendorf zwischen Albula und Hinterrhein, mit Freihof, Campi und Albula. 1149 de Sillas, rätorom. Seglias. 1803 277 Einw.; 1850 295; 1900 621; 1910 541; 1950 590; 2000 880.

1 - Carschenna

Maiensäss oberhalb des Dorfes S. Bedeutende Felszeichnungen von internat. Bedeutung wurden 1965 durch einen Forstbeamten entdeckt, anschliessend durch Mitarbeiter des Rät. Museums freigelegt. Die Felszeichnungen befinden sich nordöstlich des Crap Carschenna auf ca. 1080-1110 m auf einer markanten, durch Gletscher abgeschliffenen Felskante. Sie sind auf 9-10 einzelnen Felsplatten unterschiedl. Grösse eingraviert, verteilt in einem Umkreis von ca. 400 m. Die Felsbilder wurden in einer speziellen Picktechnik, d.h. punktuell mit einem spitzen Gegenstand - vielleicht mit einem Metallmeissel -, in den Fels geschlagen. Dominierendes Motiv ist der konzentrische Kreis mit 1-9 Ringen, die in der Regel um eine kleine zentrale Schalenvertiefung angeordnet sind. Daneben sind einfache tier- und menschenähnl. Darstellungen zu erkennen: z.B. ein Reiter, der möglicherweise einen Pfeilbogen in der Hand hält, ein Pferd mit Saumlast sowie ein Reiter, der eine Art Dreizack hält und bei dem es sich um einen Adoranten handeln könnte. Zahlreich sind die Tierdarstellungen (Pferd, Hirsch, evtl. Rind) sowie einzelne oder durch kleine Kanäle miteinander verbundene Schälchen. Weitere Einzelmotive wie ein Kanälchen in Zick-Zack-Form, ein Kreis mit Strahlen - vielleicht eine Sonnendarstellung -, ein Kreuz, ein Kreuz im Rhombus, ein Wieder-Kreuz oder ein Vogelfuss könnten z.T. jüngeren Datums sein. Da bisher eine archäolog. Datierung nicht möglich war, ist die zeitl. Einordnung der Felszeichnungen sehr schwierig: Im Vergleich mit den z.T. datierbaren Felsbildern des Val Camonica (Oberitalien) dürfte Carschenna mit seinen Motiven am ehesten den Stufen Camonica I-III (Jungsteinzeit und Bronzezeit) entsprechen. Die Deutung ist sehr unsicher und z.T. auch umstritten. Ob es sich um eine rein künstler. Darstellung (z.B. durch Hirten beim Viehhüten geschaffen), um einen Ausdruck kult. Handlungen oder gar um ein kultastronom. Phänomen handelt (z.B. Darstellung von Gestirnen oder Peilung), konnte bislang nicht entschlüsselt werden.

<b>Sils im Domleschg</b><br>Felszeichnungen von Carschenna. Ausschnitt aus einer archäologischen Aufnahme von  Brigitte Gubler,   August 1995 (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>
Felszeichnungen von Carschenna. Ausschnitt aus einer archäologischen Aufnahme von Brigitte Gubler, August 1995 (Schweizerisches Nationalmuseum).
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Autorin/Autor: Jürg Rageth

2 - Frühmittelalter bis heute

S. war im MA Ausgangspunkt einer rechtsrhein. Viamala-Route. Bis 1456 gehörte S. zum Schamser Territorium der Gf. von Werdenberg, dann kam es zum Domleschger Besitz des Bistums Chur. Auf Gemeindegebiet liegen die Burgen Baldenstein, Campell und Ehrenfels. Die Kirche St. Johann auf Hohenrätien war bis ins 15. Jh. Talkirche für das linksrhein. Domleschg ausser für S. selbst. 1525-30 wurde die Reformation eingeführt. Die alte Pfarrkirche St. Cassian wurde nach dem Bau der Dorfkirche 1619 Begräbniskapelle. Bis 1851 war S. Nachbarschaft der Gerichtsgem. Fürstenau; 1709 wurden die bischöfl. Herrschaftsrechte ausgekauft. Viehwirtschaft und Ackerbau herrschten vor. Häufige Hochwasser führten ab 1832 zu umfangreichen Verbauungen. 1887 kam es zu einem Dorfbrand. 1868-69 wurde die Schinstrasse gebaut, 1895-96 die Talstrasse. Seit 1903 besteht in S. eine Station der Rhätischen Bahn, seit 1910 eine Zentrale des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich und seit 1961 der Kraftwerke Hinterrhein. Eine Wolldeckenfabrik produzierte in S. bis 1987. 2005 bot der 2. Sektor 69% der Arbeitsplätze.

Autorin/Autor: Jürg Simonett

Quellen und Literatur

Literatur
  • Carschenna

    – C. Zindel, «Zu den Felsbildern von Carschenna», in JHGG 97, 1967, 3-20
    – P.E. Müller, Eine Landschaft der Symbole: die geheimnisvollen Felsbilder von Carschenna, 2004
  • Frühmittelalter und Neuzeit

    Kdm GR 3, 1940, 143-154
    Gem. GR