13/12/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Hettlingen

Polit. Gem. ZH, Bez. Winterthur, im Süden des Zürcher Weinlandes gelegen. 886 Hetelinga. 1467 ca. 205 Einw.; 1634 274; 1836 493; 1850 489; 1900 462; 1910 428; 1950 597; 1970 1'054; 2000 2'383. Im Baldisried wurden neolith. Siedlungsspuren, im Bereich der Kirche Reste eines röm. Gutshofs (Ende 2. Jh.) und einer frühma. Kapelle (um 700) sowie alemann. Gräber entdeckt. Um 900 waren das Kloster St. Gallen, im HochMA die Kyburger, ab 1264 die Habsburger die wichtigsten Grundherren. Die beim Dorf gelegene Wasserburg war Sitz der 1223 erwähnten Herren von H., eines kyburg.-habsburg. Ministerialengeschlechts. Um 1400 kam sie in den Besitz der Winterthurer Fam. Hoppler, über die wahrscheinlich das Niedergericht an die Stadt Winterthur gelangte. Mit der Grafschaft Kyburg kam H. 1424 und definitiv 1452 an die Stadt Zürich. Der Streit um die Hochgerichtsbarkeit zwischen Zürich und Winterthur wurde 1536 zugunsten Winterthurs entschieden. In der frühen Neuzeit war H. eine Winterthurer Obervogtei. Die Gemeindebildung setzte bereits im 15. bis 16. Jh. ein (1522 Einzugsbrief, 1538 Offnung). 1798 wurde H. eine polit. Gem. im Distrikt Andelfingen, 1803 erfolgte die Zuteilung zum Bez. Winterthur.

Die aus dem FrühMA stammende, 1369/70 erstmals erw. Kapelle in H. war eine dem hl. Nikolaus geweihte Filiale Neftenbachs. 1522 wurde eine neue Kirche in spätgot. Stil gebaut. Nach der Reformation erfolgte die Ablösung von Neftenbach (1544-82). Kollatoren waren Zürich und bis 1811 das Kloster Paradies. Wichtige Gewerbebetriebe im Dorf, das von Acker- und Weinbau geprägt war, bildeten die ehafte Taverne (1472 erw.) und die Eichmühle (1386 erw.), ursprünglich ein Lehen der Abtei Reichenau. Die dazu gehörende Hanfreibe ist als einzige ihrer Art im Kt. Zürich erhalten geblieben. Weder mit der 1834-35 neu angelegten Landstrasse Winterthur-Schaffhausen noch mit dem Bahnanschluss 1857 wurde H. industrialisiert. Die Gem. blieb bis weit ins 20. Jh. bäuerlich geprägt, auch wenn Winterthurer Industriebetriebe vermehrt Arbeiter aus H. beschäftigten. 1919-20 wurde der sumpfige südwestl. Teil der Gem. in Zusammenarbeit mit versch. Winterthurer Firmen trocken gelegt und teilweise an Arbeiter verpachtet. 1921-22 liess die Genossenschaft Siedlungswerk Hettlingen im Drainagegebiet nach einer Güterzusammenlegung erste Aussiedlerhöfe erstellen. Ab den 1950er Jahren entwickelte sich H. mit massvollem Wachstum zum beliebten Vorort Winterthurs. Westlich und östlich des gut erhaltenen Dorfkerns entstanden Einfamilienhausquartiere und beim Bahnhof in den 1980er Jahren eine Gewerbezone. 1971 erfolgte der Anschluss an die Postautolinie Winterthur-Flaach. Die verkehrsreiche Verbindungsstrasse zwischen A1 und A4, die das Dorf entzweigeschnitten hatte, wurde nach der Fertigstellung der A4 1996 im Ortsbereich aufgehoben, was einen weiteren Bauschub zur Folge hatte.


Literatur
– H. Kläui et al., Gesch. der Gem. H., 1985
Kdm ZH 8, 1986, 118-144

Autorin/Autor: Ueli Müller