No 24

Arnold [-Zurbrügg], Sophie (Mutter Arnold)

geboren 26.2.1856 Basel, gestorben 22.2.1939 Basel, urspr. ref., später konfessionslos, urspr. von Frutigen, nach Heirat von Altdorf (UR). Tochter des Fabrikarbeiters Samuel Zurbrügg und der Verena geb. Heiz. ∞ 1879 Wilhelm A. ( -> 26). A. wuchs nach dem Tod ihrer Eltern in kleinbäuerl. Verhältnissen bei ihren Grosseltern in Frutigen auf. Nach der Schule arbeitete sie in der Bandfabrik Fiechter in Basel, dann als Magd in der Innerschweiz. Zwischen 1880 und 1898 gebar sie zehn Kinder. Durch ihren Mann stiess A. zur Arbeiterbewegung und gründete 1891 in Basel, wo sie von 1885 an wohnte, den bis 1900 nachgewiesenen Verein der Schneiderinnen und Weissnäherinnen, der sich als Parallelorganisation zum Arbeiterinnenverein verstand und u.a. auf genossenschaftl. Grundlage die Vermittlung von Heimarbeit betrieb. Unter der Leitung von A. und Emma Wahlen schloss sich dieser im gleichen Jahr dem Arbeiterbund an, in dessen Vorstand A. 1906-19 (mit Unterbruch) Mitglied war. 1895 konstituierte sich unter ihrem Präsidium ein Frauenbund, der sich mangels Interesse 1897 auflöste. Der von ihr 1900 mitgegr. Stauffacherinnenverein (Nachfolger des Schneiderinnenverbandes) fusionierte 1912 mit dem Arbeiterinnenverein (v.a Fabrikarbeiterinnen) und war Mitglied des 1890 gegr. Schweiz. Arbeiterinnenverbandes, in dessen Vorstand A. aktiv war. Nach der Spaltung der SPS trat A. 1920 der KPS bei. Schon zu Lebzeiten ihres Mannes und erst recht nach dessen Tod 1914 sorgte A. als Wäscherin und Näherin und mit Kursen im Zuschneiden und Weissnähen für den Unterhalt ihrer Fam. Sie unterstützte Heimarbeiterinnen mit besser bezahlten Aufträgen für Männerhemden. Bis ans Lebensende blieb sie mit der Arbeiterinnenbewegung verbunden; noch kurz vor ihrem Tod arbeitete sie in einem Strickzirkel für die Opfer des span. Bürgerkrieges. Für ihr unermüdl. Engagement erhielt sie den Übernamen "Mutter Arnold".


Literatur
Frauenwelt 3, 1939
– A. Devecchi-Bertschmann, Ausgewählte Kurzbiogr., 1977
– A. Frei, Rote Patriarchen, 1987, 177 f.

Autorin/Autor: Sabine Braunschweig