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Zacconen/Viktoriden

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Die in der Neuzeit gebildeten Sippennamen der Viktoriden bzw. Zacconen - der erste war in der älteren Forschung gebräuchlich, den zweiten verwendet v.a. Otto Paul Clavadetscher - bezeichnen eine Fam., die von der 1. Hälfte des 6. Jh. bis ins 8. Jh. über zehn Generationen die höchsten weltl. und geistl. Ämter im frühma. Chur bzw. Churrätien innehatte. Zacco, ein wohl um die Mitte des 6. Jh. von den Franken eingesetzter germ. Militärführer in Churrätien, dürfte als Nachfolger der rät. duces fungiert haben; vielleicht war seine Position auch ziviler Natur. Eine weibl. Deszendentin Zaccos ging vermutlich in einer der nächsten Generationen die Verbindung mit der einheim. Familie der Viktoriden ein, die nach dem Scheitern der fränk. Alpen- und Italienpolitik um 600 eine politisch relativ unabhängige Stellung in Rätien erlangt hat. Im 2. Drittel des 7. Jh. erscheint unter den Z. ein Vigilius tribunus sowie im letzten Drittel dessen Kinder Paulus, Castoria und Paschalis (episcopus), Letzterer verheiratet mit Esopeia. Möglicherweise war Paschalis auch praeses. Unter dessen Söhnen Victor (zusammen mit seiner Mutter Esopeia Gründer des Klosters Cazis) und Jactatus in der siebten Generation waren weltl. und geistl. Macht anscheinend getrennt, denn Ende des 7. Jh. ist Ersterer als Bischof, Letzterer als praeses bezeugt. Die jüngere Machtaufteilung findet sich auch um 720 wieder bei Jactatus' Söhnen Vigilius (episcopus) und Victor (praeses); in der Amtszeit des Letzteren ist Otmar, der spätere Heilige, in Chur aufgewachsen. Auch Victors Söhne Tello (episcopus) und Zacco (praeses) teilten sich die Macht, wobei Tello, der im Reichenauer Verbrüderungsbuch als comis (comes) erscheint, nach dem Tod seiner Brüder und Neffen die bischöfl. und weltl. Gewalt wiederum in seiner Person vereinigte. Mit Tellos Neffen Victor und seinen Nichten Teusinda und Odda, die noch im Zusatz zum Tellotestament genannt werden, erlischt die Überlieferung der Z.


Literatur
HS I/1, 62
– O.P. Clavadetscher, «Zur Verfassungsgesch. des merowing. Rätien», in Frühma. Stud. 8, 1974, 60-70
– I. Müller, «Zum Churer Bistum im FrühMA», in SZG 31, 1981, 277-307
– O.P. Clavadetscher, «Zur Führungsschicht im frühma. Rätien», in Montfort 42, 1990, 63-70
– R. Kaiser, Churrätien im frühen MA, 1998 (22008, überarbeitete und erweiterte Aufl.)
– S. Grüninger, Grundherrschaft im frühma. Churrätien, 2006

Autorin/Autor: Martin Hannes Graf