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Sicher, Fridolin

geboren 6.3.1490 Bischofszell, gestorben 13.6.1546. Sohn des Hermann und der Elisabeth Schwitzer. In Konstanz bildete sich S. 1503-04 bei Martin Vogelmaier und 1512-13 bei Hans Buchner zum Organisten aus. 1510 empfing er die mit dem Orgeldienst verbundene Kaplaneipfründe St. Agnes des Chorherrenstifts St. Pelagius in Bischofszell. 1511 wurde er zum Priester geweiht. Ab 1516 war S. als Kaplan von St. Jakob bei St. Gallen auch Stiftsorganist der Fürstabtei und schrieb für deren Chorbibliothek eine Reihe liturg. Handschriften. Die Übernahme der 1520 verliehenen Pfarrpfründe St. Gallus von Dielsdorf blieb ihm verwehrt. Der Reformation schloss sich S. nicht an und lebte 1529-31 in Bischofszell, 1531-36 in Ensisheim im Elsass. Nach seiner Rückkehr wurde er Chorherr am Kollegiatsstift St. Pelagius in Bischofszell und wirkte weiterhin für die Fürstabtei St. Gallen. In seiner 1512-31 entstandenen Orgeltabulatur, einem der Hauptzeugnisse schweiz.-süddt. Musikkultur des frühen 16. Jh., sammelte er 176 Orgelstücke von 94 Komponisten, so u.a. von Paul Hofhaimer, Heinrich Isaac, Josquin Desprez und Ludwig Senfl. Für seine Chronik der Jahre 1423-1531 verwendete S. Überlieferungen Heinrich Forrers von Lichtensteig und setzte sie ab 1515 mit eigenen Aufzeichnungen fort. Darin berichtete er u.a. aus kath. Sicht vergleichsweise sachlich und tolerant über die Ostschweizer Reformationsereignisse, die er als Zeitzeuge miterlebt hatte.


Werke
– «Fridolin S.s Chronik, hg. von E. Götzinger», in Mitt. zur vaterländ. Gesch. 20, 1885
St. Galler Orgelbuch: die Orgeltabulatur des Fridolin S., hg. von H.J. Marx, T. Warburton, 1992
Literatur
– W.R. Nef, «Der St. Galler Organist Fridolin S. und seine Orgeltabulatur», in Schweiz. Jb. für Musikwiss. 7, 1938
CMD-CH 3, 310
– T. Warburton, S.s tablature, 1997
– R. Gamper, «Liebe und Zorn - Menschl. Regungen und die Allmacht Gottes in den St. Galler Chroniken der Reformationszeit», in Liebe und Zorn, hg. von A. Härter, J. Steinmetz, 2009, 41-63

Autorin/Autor: Markus Kaiser