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No 1

Justinger, Konrad

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Erstmals erw. 1388,gestorben April 1438, vermutlich aus Rottweil stammend, ab 1391 Burger von Bern. ∞ nach 1426 Anna Wirz, von Zürich. 1388 kopierte er eine Lehrschrift zur Zeitrechnung des Strassburger Chronisten Jakob Twinger von Königshofen ("Computus novus chirometralis"). 1390-1431 ist J. in Bern, 1432 bis zu seinem Tod in Zürich belegt. Ausdrücklich als Stadtschreiber Berns wird J. nur in einer Urkunde von 1400 bezeichnet, ansonsten taucht er als Schreiber (1406-07 als Bauherrenschreiber) und Notar auf. Seine Handschrift erscheint in einer Reihe von Berner Kanzleibüchern, so im Udelbuch von 1390, im Satzungenbuch von 1398, im Freiheitenbuch von 1431 sowie in einer Kopie des Habsburger Urbars nach 1415. 1420 erteilte ihm die Berner Regierung den Auftrag, eine Chronik von der Gründung der Stadt bis zur Gegenwart zu schreiben. J. beendete das deutsch abgefasste Werk vor 1430. Zweieinhalb erhaltene rubrizierte Pergamentblätter stammen wohl von dieser ersten amtl. Chronik Berns. Vielleicht hatte sich J. mit einem an die Strassburger Weltchronik von Jakob Twinger von Königshofen anschliessenden Werk ("Anonyme Stadtchronik" oder "Kl. Berner Chronik" genannt) dem Berner Rat als Chronist empfohlen. Neben weit verbreiteten Chroniken griff er auf lokale Aufzeichnungen, u.a. auf Notizen im Jahrzeitenbuch des Berner Münsters (sog. "Cronica de Berno"), auf eine Beschreibung der Schlacht von Laupen, auf die Urkunden im städt. Archiv sowie auf Lieder und die mündl. Überlieferung zurück.


Werke
Die Berner-Chronik des Conrad J., hg. von G. Studer, 1871
Literatur
– F. Vetter, Neues zu J., 1906
– A. Perrin, «Verz. der handschriftl. Kopien von Konrad J.'s Berner Chronik», in BZGH, 1950, 204-229
– J.-P. Bodmer, Chroniken und Chronisten im SpätMA, 1976, 10-15
– H. Strahm, Der Chronist Conrad J. und seine Berner Chronik von 1420, 1978
– Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 1, 7-11
– R. Gamper, Die Zürcher Stadtchroniken und ihre Ausbreitung in die Ostschweiz, 1984, 147-154
– K. Kirchert, Städt. Geschichtsschreibung und Schulliteratur, 1993, 49-57

Autorin/Autor: Regula Schmid Keeling