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Zwinger, Theodor

geboren 2.8.1533 Basel, gestorben 10.3.1588 Basel, ref., von Basel. Sohn des Leonhard, Kürschners, und der Christiana Herbst. Enkel des Hans Herbst. Neffe des Johannes Oporinus. ∞ 1561 Valeria Rüdin, vermögende Witwe des Lukas Iselin, Handelsmanns. Privatunterricht bei seinem Stiefvater, dem Humanisten und Enzyklopädisten Conradus Lycosthenes. Z. reiste ohne das Wissen seiner Fam. nach Lyon und arbeitete dort 1548-51 zur Finanzierung des Stud. in einer Druckerei. 1551 studierte er Philosophie bei Petrus Ramus in Paris und 1553-54 Medizin in Padua, wo er 1559 zum Dr. med. promovierte. Danach war Z. in Basel als prakt. Arzt tätig, ab 1565 als Prof. für griech. Sprache, ab 1571 für Ethik und ab 1580 für theoret. Medizin. Unter Z., Felix Platter und Caspar Bauhin erlebte die medizin. Fakultät eine erste Blüte. Z. war nicht nur eine zentrale Figur des Basler Gelehrtenlebens, seine Schriften und sein ausgedehnter Briefwechsel waren von europ. Wirkung. Er rief zu einem vermehrten Stud. der Schriften des Hippokrates auf und lobte dessen Betonung der unmittelbaren Erfahrung. Diese erkannte er auch in den Schriften des Paracelsus, dessen Methoden er verteidigte und in seinen Physiologie-Vorlesungen, die 1610 von seinem Sohn Jakob herausgegeben wurden, vorstellte. Berühmt wurde Z. v.a. als Autor des Werks "Theatrum vitae humanae" (1565, 3. Auflage 1586), eine der umfang- und erfolgreichsten Wissenssammlungen der frühen Neuzeit. Auf das menschl. Erkenntnisvermögen ausgerichtet, platzierte er darin jedes einzelne chem. Element in einem feingliedrigen Ordnungsrahmen und in zahlreichen tabellar. Zusammenstellungen. Z. war ein engagierter Verfechter religiöser Toleranz und ein wichtiger Exponent des oberrhein. Späthumanismus.


Archive
– UBB, Briefwechsel
Literatur
– J. Karcher, Theodor Z. und seine Zeitgenossen, 1956
– C. Gilly, «Zwischen Erfahrung und Spekulation», in BZGA 77, 1977, 57-137; 79, 1979, 125-233
Theophrast und Galen - Celsus und Paracelsus, Ausstellungskat. Basel, 5 Bde., 2005
– H. Zedelmaier, «Navigieren im Textuniversum», in metaphorik.de 14, 2008, 113-135

Autorin/Autor: Hubert Steinke