20/07/2006 | drucken

Waltensburg/Vuorz



Polit. Gem. GR, Kreis Ruis, Bez. Surselva. Langgezogene Strassensiedlung auf einer Höhenterrasse nördl. über dem Vorderrhein. 765 Vorce. Der dt. Name W. bezog sich ursprünglich auf Jörgenberg (1209 Waltramsburg). Während die Bevölkerung den rätorom. Namen Vorce (dt. Flussgabelung) weiterführte, wurde der ehemalige Burgname auf die Gem. übertragen; die Burgstätte selber übernahm die Bezeichnung der frühma. Kirchenburg St. Georg. 1850 443 Einw.; 1900 362; 1930 394; 1950 406; 1990 349.

Auf Jörgenberg (Munt S. Gieri) Spuren bronzezeitl. und rät. Siedlung der Eisenzeit sowie röm. Fragmente. Im MA gehörten Aussensiedlungen auf Ladral (1530 m) und Jörgenberg zu W. Im Einzugsgebiet der Gem. liegen neben Jörgenberg drei weitere ma. Burgruinen: Grünenfels (rom. Chischlatsch), Sitz der gleichnamigen Herren im 13. Jh., Kropfenstein und Vogelberg (rom. Cafoghel). 1734 kaufte die Gerichtsgem. W., die auch Rueun, Siat, Pigniu, Andiast und Schlans umfasste, die letzten Rechte der Herrschaft Jörgenberg aus. Zur Pfarrei W. gehörte Andiast, das sich 1526 ablöste, als W. als einzige Gem. des oberen Bündner Oberlandes zur Reformation übertrat. Die Pfarrkirche St. Leodegar im Dorf (1241 erw.) ist berühmt für die got. Fresken des sog. Waltensburger Meisters (zwischen 1350 und 1450). Eine Prozession der kath. Andiaster durch W. nach Rueun löste 1682 den sog. Fahnenkrieg aus. Bis 1963 war die vorwiegend bäuerl. Gem. finanziell gut situiert (Wald- und Wasserzinsen) und erhob keine Gemeindesteuer. Die Güterzusammenlegung führte ab 1961 zur Konzentration der Bauernbetriebe (Mechanisierung, zugleich Anstieg des Viehbestands) und Abwanderung. Viele Einwohner pendeln v.a. nach Ilanz und Domat/Ems, z.T. bis nach Chur. Dem Rückgang an bäuerl. und gewerbl. Betrieben in der mehrheitlich rätorom. Gem. wird mit sanftem Tourismus begegnet: Nebst Ferienhäusern, Eigentumswohnungen und Sporthotels wurde das Ökohotel Ucliva als Pionierwerk des naturnahen und angepassten Fremdenverkehrs errichtet.


Literatur
Kdm GR 4, 1942, 321-341
Gem. GR
– A. Seeli, W., 2004

Autorin/Autor: Martin Bundi