• <b>Conrad Türst</b><br>Älteste bekannte Schweizerkarte. Tusch und Aquarell, um 1496 (Zentralbibliothek Zürich). Die Manuskriptbeilage zu Türsts Beschreibung der Eidgenossenschaft ist südorientiert. Folglich liegt der Bodensee auf der linken Seite und die süddeutsche Nachbarschaft am unteren Bildrand. Am rechten Bildrand ist der Genfersee mit der Rhonemündung angedeutet. Am verlässlichsten ist die Darstellung des Gebiets zwischen Thunersee und Greifensee. An den oberen Zürichsee schliesst der Tuggenersee an, der im 15. Jahrhundert am Verlanden war.

No 1

Türst, Conrad

geboren um 1450 Zürich, gestorben 18.8.1503 Zürich, ab 1466 Bürger von Zürich. Sohn des Bernhard, Chorherrn am Fraumünster, und der Brida Lorentz (oder Lorentzer), dessen Haushälterin. ∞ Verena (Nachname unbekannt). 1470-71 Univ. Basel, baccalaureus artium. Wahrscheinlich bildete sich T. beim Arzt Conrad Heingarter in Frankreich weiter. 1482 promovierte er in Pavia zum Dr. med. 1482-86 war er Stubengeselle der Gesellschaft zum Narren und Distelzwang in Bern. 1484 setzte er seine Studien an der Univ. Ingolstadt fort. Ab 1489 wirkte T. als Stadtarzt in Zürich. 1493 und 1497 besuchte er - vermittelt durch den Abt von Einsiedeln, Konrad von Hohenrechberg - den Hof von Mailand, dem er als Astrologe und Informant diente. 1497 erhielt er eine Pension von Ludovico Sforza; während des Schwabenkriegs ersuchte T. ihn um Vermittlung. 1499 ging er nach Innsbruck an den Hof Kg. Maximilians I., der ihn 1501 für zehn Jahre als Arzt einstellte. T. scheint kurz vor seinem Tod nach Zürich zurückgekehrt zu sein. T. gehörte der damals vorherrschenden astrolog.-medizin. Schule (sog. Iatromathematik) an. Er schrieb ein Gesundheitsbüchlein (1482) für den Berner Schultheissen Rudolf von Erlach und vier astrolog. Gutachten, darunter die "Prophetia" (1490) für Jakob von Cham, den Propst des Grossmünsters in Zürich, sowie ein "Consilium" (1495) für Johann Konrad von Griessen, den Abt von Rheinau. Je ein lat. (Österr. Nationalbibliothek) und ein dt. Exemplar (Zentralbibliothek Zürich) seiner zwischen 1495 und 1497 entstandenen Beschreibung der Eidgenossenschaft enthalten die erste bekannte Karte der Schweiz. Sie diente als Grundlage für die erste gedruckte Karte der Schweiz im Strassburger "Ptolemäus-Atlas" von 1513. Teile von T.s Bibliothek gelangten später in die Zentralbibliothek Zürich.

<b>Conrad Türst</b><br>Älteste bekannte Schweizerkarte. Tusch und Aquarell, um 1496 (Zentralbibliothek Zürich).<BR/>Die Manuskriptbeilage zu Türsts Beschreibung der Eidgenossenschaft ist südorientiert. Folglich liegt der Bodensee auf der linken Seite und die süddeutsche Nachbarschaft am unteren Bildrand. Am rechten Bildrand ist der Genfersee mit der Rhonemündung angedeutet. Am verlässlichsten ist die Darstellung des Gebiets zwischen Thunersee und Greifensee. An den oberen Zürichsee schliesst der Tuggenersee an, der im 15. Jahrhundert am Verlanden war.<BR/>
Älteste bekannte Schweizerkarte. Tusch und Aquarell, um 1496 (Zentralbibliothek Zürich).
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Literatur
– G. Grosjean, 500 Jahre Schweizer Landkarten, 1971 (mit Faksimile des Zürcher Exemplars)
– A. Dürst, Der Bodensee mit den angrenzenden Gebieten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in alten Kartendarst., 1975 (mit Faksimile des Wiener Exemplars)
VL 9, 1170-1174 (mit Werkverz.)
– M. Bitschnau, «Konrad T. und die ältesten Landkarten der Schweiz», in Kunst Beziehung, hg. von B. Braun, L. Andergassen, 2008, 93-110
Berns grosse Zeit, hg. von E.J. Beer et al., 22003, 323-330

Autorin/Autor: Hans-Peter Höhener