Obersaxen

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Rueun, Bezirk Surselva (bis 2000 Bezirk Glenner), seit 2016 mit Mundaun Teil der Gemeinde Obersaxen Mundaun. Obersaxen liegt am Nordhang der Mundaunkette an der rechten Talseite des Rheins und bestand aus 28 in fünf sog. Pirten zusammengefassten Siedlungen mit dem Zentrum Meierhof. 2003 kam Cathomen zu O. 765 Supersaxa (Kopie), 956 Supersaxa, um 1227 de Ubersahse, rätorom. Sursaissa. 1850 831 Einw.; 1900 652; 1910 636; 1950 705; 2000 779.

Bronzehelm und Speerspitze (3.-1. Jh. v.Chr.) auf der Alp Gren. Bf. Tello schenkte der Abtei Disentis 765 seinen Hof und Alpen in O. Ab 806 gehörten diese jedoch wieder zum Reichsgut und wurden von Kg. Otto I. 956 mit der Kirche dem Bistum geschenkt. Ab Ende des 12. Jh. wanderten Walser über den Oberalppass in O. ein. Acht Siedlungen sind erloschen, u.a. Alpettli auf 1900 m. Die Frh. von Rhäzüns, ab 1170 bischöfl. Lehensträger, gliederten O. im 14. Jh. ihrer Herrschaft ein. 1375 wird ein erster Ammann bezeugt. 1459 kam O. an die Hohenzollern-Sigmaringen und siegelte 1471 als Gerichtsgemeinde. Der Ammann wurde aus einem Dreiervorschlag des Volks gewählt, die Pirten stellten je drei Richter im (niederen) Zwölfergericht. Im Oberen Bund besass O. eine Stimme und bildete mit Waltensburg und Laax ein Hochgericht. Nach 1473 gelangte der Ort an die von Marmels und weitere Geschlechter, bevor es 1497 dem habsburg. Rhäzüns eingegliedert wurde. 1819 erfolgte der Auskauf der letzten Feudalrechte. Die Kirche St. Peter (seit 1500 Peter und Paul) in Meierhof wird um 840 als königl. Eigenkirche erwähnt. Die Kollatur lag beim jeweiligen Inhaber der Feudalrechte, u.a. 1497-1819 bei den Rhäzünsern, dann bei der Gemeinde. Die Filialkirche St. Martin, die 1500 umgebaut wurde, diente der inneren Pirt. In O. wurde bei Affeier vom 15. Jh. bis 1813 Fahlerz abgebaut, im Platenger Tobel 1818-26 Eisen. 1890-95 erfolgte der Bau der Kantonsstrasse nach llanz, 1913-14 jener der Strasse nach Tavanasa. Die Gesamtmelioration wurde 1960-74 durchgeführt. Nach dem Bau eines ersten Skilifts 1952 entwickelte sich O. nach 1970 rasant zu einem Wintersportzentrum. 2000 war ein Fünftel der Beschäftigten im 1. Sektor tätig. In der walserdt. Enklave waren 2000 94% der Bevölkerung deutscher, 5% rätorom. Muttersprache.


Literatur
Kdm GR 4, 1942, 283-298
Pro Supersaxa-O., 1970-, (mit Lex. von O.)

Autorin/Autor: Adolf Collenberg