• <b>Louis Odier</b><br>Nach dem Tod des Arztes angefertigte Aquatinta von  Nicolas Schenker  nach einem Porträt von Firmin Massot (Schweizerische Nationalbibliothek).

No 6

Odier, Louis

geboren 17.3.1748 Genf, gestorben 14.4.1817 Genf, ref., von Genf. Sohn des Antoine, Kaufmanns, und der Lise de Villes. ∞ 1) Suzanne Baux, Tochter des Jean-Louis, Kaufmanns, 2) Andrienne Lecointe, Tochter des Gédéon, Pfarrers. O. studierte Humanwissenschaften an der Genfer Akademie, ab 1767 Medizin in Edinburgh, wo er 1770 doktorierte. Er vervollständigte seine Ausbildung in London, Leiden und Paris und kehrte 1773 nach Genf zurück, wo er ein namhafter Arzt wurde. Er verfasste mit Daniel de La Roche und Charles-Guillaume Dunant eine Genfer Pharmakopöe (1780 veröffentlicht) und beschäftigte sich mit der öffentl. Hygiene und der medizin. Ausbildung. Anlässlich der Genfer Wiedervereinigung mit Frankreich wurde er 1799 als Honorarprof. für Medizin ernannt (bis 1817). O. publizierte seine während sechs Jahren gehaltenen Vorlesungen als "Manuel de médecine-pratique" (1803, 31821), das zahlreiche Ärzte und officiers de santé als Standardwerk nutzten. Dank der Verbreitung seiner wissenschaftl. Erkenntnisse und seiner Verbindung zu europ. Gelehrtengesellschaften erlangte er einen internat. Ruf. Er gehörte zu den Vertrauten von Germaine de Staël in Coppet. Von ihrer Gründung 1796 an trug er als Mitarbeiter der "Bibliothèque britannique" zur Verbreitung medizin. Errungenschaften aus England in Europa bei: O. rezensierte noch im Jahr der Erscheinung 1798 das Werk von Edward Jenner über die Impfung und machte so diese Präventivmethode, die er eifrig bewarb, im gelehrten Europa bekannt. Der franz. Begriff vaccine als Bezeichnung für die engl. cow-pox (Kuhpocken) geht auf ihn zurück. Daneben entwarf er ein Genfer Strafgesetzbuch, war 1788 Mitglied des Rats der Zweihundert und während der franz. Herrschaft Mitglied mehrerer polit. Vereinigungen, etwa 1793 als Präs. der Genfer Nationalversammlung. Ab 1814 gehörte O. dem Repräsentierenden Rat an.

<b>Louis Odier</b><br>Nach dem Tod des Arztes angefertigte Aquatinta von  Nicolas Schenker  nach einem Porträt von Firmin Massot (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/><BR/>
Nach dem Tod des Arztes angefertigte Aquatinta von Nicolas Schenker nach einem Porträt von Firmin Massot (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Archive
– BGE, Nachlass
Literatur
– G. de Morsier, «La vie et l'œuvre de Louis O., docteur et professeur en médecine (1748-1817)», in Gesnerus 32, 1975, 248-270
Livre du Recteur 5, 42
– P. Rieder, «Séduire en raisonnant: les conquêtes épistolaires de Louis O. (1748-1817), médecin et citoyen de Genève», in La correspondance familiale en Suisse romande aux XVIIIe et XIXe siècles, hg. von P. Henry, J.-P. Jelmini, 2006, 75-95

Autorin/Autor: Vincent Barras / ASCH