Morissen

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Lugnez, Bezirk Surselva, seit 2013 mit Cumbel, Degen, Lumbrein, Suraua, Vella, Vignogn und Vrin Teil der neuen Gemeinde Lumnezia. Am Südfuss des Piz Mundaun, oberhalb der Lugnezerstrasse gelegen. 1210 Mureizens, rätorom. Murissen. 1850 250 Einw.; 1900 163; 1950 297; 2000 211. Vermutlich altes Siedlungsland. Vom 13. bis 15. Jh. sind Ministerialen gleichen Namens belegt. Um 1290 hatte das Bistum Chur Lehensgüter in M. Bis 1370 gehörte M. als bischöfl. Lehen zur Vogtei der von Belmont, dann zu jener der Sax-Misox. 1538 erfolgte der Auskauf der bischöfl. Feudalrechte. Die 1345 erw. Kirche St. Jakob und Christophorus (nach Neubau 1867-68 St. Jakob und Philipp) war bis 1907 Filiale von St. Vincenz in Pleif (1702 Kaplanei, 1806 Kuratie). Am Transitweg von Obersaxen zum Valserberg gelegen verband sich M. im SpätMA wirtschaftlich mit Surcuolm, der Nachbargemeinde "ennet dem Berg". 1630 trennten sie sich wegen des anhaltenden Streits um Wald- und Weidenutzung am nördl. Abhang des Piz Mundaun (Weidegemeinschaft mit Surcuolm bis 1895). 1851-2000 zählte M. zum Bezirk Glenner, seit 2001 gehört es zum Bezirk Surselva. Die auf Viehzucht und Milchwirtschaft basierende rätorom. Bauerngemeinde führte 1973-79 eine Gesamtmelioration durch. 1980 bildete M. mit Cumbel eine Schul- sowie Vereinsgemeinschaft. 1992 wurde das Gemeindezentrum im Ort eingerichtet. Anfang des 21. Jh. zeichnete sich M. durch zahlreiche Pendler nach Ilanz und Domat/Ems, wenig dörfl. Gewerbe und etwas Tourismus (Ferienchalets) aus.


Literatur
Kdm GR 4, 1942, 200-202
– F. Maissen, «Historia dalla pleiv da M.», in Annalas 90-93, 1977-80
– O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984, 98
Gem. GR

Autorin/Autor: Adolf Collenberg