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Meyer, Adolf

geboren 13.9.1866 Niederweningen, gestorben 17.3.1950 Baltimore, ref., von Zürich. Sohn des Rudolf, Pfarrers, und der Anna geb. Walder. ∞ 1902 Mary Porter Brooks. Medizinstud. in Zürich, 1892 Dr. med., Aufenthalte in Paris, Edinburgh und London. Nach seiner Auswanderung in die USA praktizierte M. als Psychiater und Neurologe in versch. Einrichtungen und führte dort Neuerungen wie die Standardisierung der Patientenakten oder Teambesprechungen ein. Er lehrte 1904-10 als Prof. für Psychiatrie an der Cornell University im Staat New York und 1910-40 an der Johns Hopkins University in Baltimore. M. kam aus der dt. Schule der wissenschaftl. Psychologie und klin. Psychiatrie (Wilhelm Maximilian Wundt, Emil Kraepelin). Er legte sein Schwergewicht auf das Zusammenspiel der biolog. und psycholog. Prozesse bei der Entstehung und Behandlung psych. Krankheiten und setzte sich für eine psychobiolog. Ausrichtung der Psychiatrie ein. M. prägte den Unterricht sowie die institutionelle Ausgestaltung in seiner Disziplin und war einer der einflussreichsten Psychiater Nordamerikas in der 1. Hälfte des 20. Jh. Er gehörte der amerikan. Bewegung für mental hygiene an. Seine Frau stattete seinen Patienten Besuche ab und wurde dadurch die erste psychiatr. Sozialarbeiterin der USA.


Werke
The Commonsense Psychiatry of Dr. Adolf M., hg. von A. Lief, 1948
The Collected Papers of Adolf M., hg. von E.E. Winters, 4 Bde., 1950-52
Psychobiology, hg. von E.E. Winters, A.M. Bowers, 1957
Quellen
Defining American Psychology: the Correspondence between Adolf M. and Edward Bradford Titchener, hg. von R. Leys, R.B. Evans, 1990
Literatur
– S. Feierstein, Adolf M., 1965
– O. Diethelm, «Adolf M.», in Grosse Nervenärzte 2, hg. von K. Kolle, 21970, 125-138

Autorin/Autor: Vincent Barras / EM