13/04/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken

Lumbrein

Polit. Gem. GR, Kreis Lugnez, Bez. Surselva (bis 2000 Bez. Glenner). Die rätorom. Gem. liegt im hinteren Lugnez und besteht aus dem Hauptdorf L. (1405 m), den Fraktionen St. Andriu, Nussaus an der Hauptstrasse nach Vrin sowie jenseits des Glenners Surin, Pruastg und Silgin (ca. 1245 m). Um 1750 abgegangen sind Molina und Curtinatsch, um 1900 Farglix. Um 850 in villa Lamarine (Kopie 16. Jh.), 1231 de Lumarins. 1850 529 Einw.; 1900 531; 1930 475; 1950 584; 2000 399.

1 - Crestaulta bei Surin

Crestaulta ist ein bedeutender bronzezeitl. Siedlungsplatz auf einem Hügelplateau ca. 300 m westlich von Surin. Er wurde 1935 entdeckt und durch Walo Burkart 1935-38 teilweise ausgegraben. Drei Siedlungsphasen sind nachgewiesen. In der unteren frühbronzezeitl. Schicht (ca. 2000-1700/1600 v.Chr.) fanden sich zahlreiche Pfostenlöcher von einfachen Pfostenbauten mit Herdstellen (Hüttengrössen ca. 6,5 auf 4 m). Aus der zweiten, wohl schon mittelbronzezeitl. Phase (1700/1600-1500/1400 v.Chr.) stammen verschiedene, z.T. massive Trockenmauerkonstruktionen, die aber keine klaren Hausgrundrisse ergeben. Ausserdem wurden mehrere Herdstellen, ein kleiner runder "Kellerbau", Reste eines Töpferofens sowie versch. Brandreste gefunden. In der oberen, mittelbronzezeitl. Schicht (1500/1400-1300 v.Chr.) wurden u.a. Hinweise auf Herdstellen, Steinsetzungen und einen Holzbretterboden entdeckt. Die Ausgrabungen förderten ferner keram. Fundgut zutage, das der sog. Inneralpinen Bronzezeit-Kultur (ehemals Crestaulta-Kultur genannt) angehört, daneben Bronzegeräte (Sichel, Beile, Dolche, Schmucknadeln), Stein- und Knochenartefakte, verkohlte Sämereien, tier. Knochenreste sowie metallurg. Überreste. Hinsichtlich der Kulturzugehörigkeit und topograf. Lage lassen sich Parallelen zur bronzezeitl. Siedlung auf dem Padnal (Gem. Savognin) herstellen. In der Flur Cresta Petschna, 150 m von Crestaulta entfernt, stiess man 1947 auf ein kleines Gräberfeld mit mindestens elf früh-mittelbronzezeitl. Brandbestattungen, die 1947-48 ebenfalls von Walo Burkart ausgegraben wurden. Das Fundinventar (Gewandnadeln, Anhängerschmuck, Armringe) legt nahe, dass es sich um Frauengräber handelt. Ein Zusammenhang mit der Siedlung auf der Crestaulta ist sehr wahrscheinlich.

Autorin/Autor: Jürg Rageth

2 - Gemeinde

Im FrühMA war L. fränk. Reichsgut. Die im SpätMA zugezogenen Walser und Blenieser siedelten v.a. am rechten Glennerufer und wurden romanisiert. Zwischen ihren Höfen und L. kam es häufig zu Auseinandersetzungen um Nutzungsrechte. Als bischöfl. Lehen war L. um 1350 Vogtei der Herren von Belmont, nach 1371 der von Lumbrein, ab 1390 der von Sax-Misox. Von 1395 an ist L. als Glied der Gerichtsgemeinde Lugnez dokumentiert. 1538 wurden die bischöfl. Rechte ausgekauft. Die Kirche St. Martin gehörte zur Pfarrei Pleif (St. Vinzenz); zwischen 1345 und 1452 wurde sie zur Pfarrei erhoben. 1646 entstand die heutige Pfarrkirche. L. ist eine traditionelle Bauerngemeinde, doch ist die Zahl der landwirtschaftl. Betriebe seit den 1950er Jahren stark zurückgegangen. 1976-2005 erfolgte eine Gesamtmelioration. Nach 1970 setzte in bescheidenem Mass der Tourismus ein. 2000 betrug der rätorom. Sprachanteil 90%. Die Gem. wurde ins Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgenommen.

Autorin/Autor: Adolf Collenberg

Quellen und Literatur

Literatur