14/01/2014 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Valendas

Ehem. polit. Gem. GR, Kreis Ilanz, Bez. Surselva (bis 2000 Bez. Glenner), früher auch Herrschaft und Burg, seit 2013 mit Versam, Safien und Tenna Teil der neuen polit. Gem. Safiental. Haufendorf rechts über der Vorderrheinschlucht mit höher gelegenen Höfen in Carrera, Brün, Dutjen und Turisch. 765 in Valendano (Kopie), rätorom. Valendau. 1803 463 Einw.; 1850 555; 1900 499; 1950 441; 2000 294. Depotfund aus der Bronzezeit. Die ab dem 8. Jh. besiedelte Ackerbaulandschaft besass beträchtl. Ausbaureserven v.a. im hochma. Königsforst, in dem nur wenige von rom. Rodungsbauern bewohnte Höfe lagen. In der 2. Hälfte des 14. Jh. begann die Niederlassung deutschsprachiger Walser in Rand- und Höhenlagen; das Dorfzentrum wurde erst im 15. Jh. allmählich germanisiert. Die Kirche St. Blasius wird erstmals 1384 erwähnt; die Reformation erfolgte 1523. Zur Pfarrei wie zur Herrschaft V. gehörte im MA auch die Nachbarschaft Versam (ohne Sculms), die sich ab dem 17. Jh. zuerst kirchlich und dann bis ins frühe 19. Jh. auch politisch von V. löste. Viehwirtschaft und Ackerbau sind die traditionellen Haupterwerbsquellen. Die Fahrstrasse Bonaduz-V.-Ilanz wurde 1880-81 angelegt, die Station V.-Sagogn der Rhät. Bahn 1903. Eine Melioration wurde bis 1985 durchgeführt. 2000 waren 98% der Bewohner deutsch- und knapp 2% romanischsprachig.

Herrschaft und Burg V. hatten die 1258 erstmals erw. gleichnamigen Herren inne, deren Grundherrschaft bis 1383 auch Tenna und damit die alte Verbindung ins Safiental über das Tenner Chrüz einschloss. Güter besassen ebenfalls die Klöster Pfäfers und Churwalden. Die Hoheitsrechte des ursprünglich bischöfl. Lehens hatten nach dem Aussterben der Vazer bis 1428 die Werdenberger bzw. Rhäzünser inne. Um 1500 existierten in der Herrschaft V. sowohl Herrschaftsleute als auch Freie (altfreie Romanen sowie eingewanderte freie Walser). Die Freien, ab 1383 dem Gericht der Freien von Laax angeschlossen, besassen eigene wirtschaftl. und rechtl. Körperschaften, was nach dem Anschluss der gesamten Herrschaft V. an die Gerichtsgemeinde Gruob 1428 zu jahrhundertelangen Kompetenzstreitigkeiten führte. Bei der Auflösung der Gerichtsgemeinden 1851 wurde V. dem Kreis Ilanz zugeteilt.


Literatur
– L. Joos, Die Herrschaft V., 1916
Kdm GR 4, 1942, 122-128
Gem. GR
– P. Joos, V., 2011

Autorin/Autor: Jürg Simonett