• <b>Melchior Russ</b><br>Initiale aus seiner Chronik, um 1482 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Ms. 1a fol., S. 23). Die rote Anfangszeile lautet: "Wie eine schlach zu Buchennans [Buonas ZG] ist beschechenn." Das Treffen zwischen den Eidgenossen und Österreich soll laut Russ 1333 stattgefunden haben.

No 4

Russ, Melchior

geboren kurz nach 1450, gestorben 1499 als Urner Söldner im Gefecht bei Rheineck, von Luzern. Sohn von Melchior dem Älteren (gestorben 1493), Stadtschreibers, und der Verena Bühler. Jurist. Studien an den Univ. Basel (1471) und Pavia (1473). Schreiber in der Kanzlei Luzern und an der Tagsatzung. Teilnahme an den Burgunderkriegen. Ab 1480 Luzerner Grossrat, 1483-85 Landvogt zu Ebikon und 1487-89 zu Malters. 1479 und 1488 verschuldete R. sich u.a. durch Gesandschaften nach Ungarn, wo ihn Kg. Matthias Corvinus 1479 nach Kämpfen gegen die Türken zum Ritter schlug, seine Pensionsversprechungen gegenüber R. aber nicht erfüllte. Ein Ehrenhandel mit Schultheiss Ludwig Seiler endete mit der Niederlage und Verbannung von R. nach Uri: R. hatte sich über seine Kompetenzen als Schreiber hinaus für die Wiedereinsetzung von Jost von Silenen als Bf. von Sitten eingesetzt und konnte im folgenden Prozess seine Anschuldigungen gegen Seiler nicht beweisen.

<b>Melchior Russ</b><br>Initiale aus seiner Chronik, um 1482 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Ms. 1a fol., S. 23).<BR/>Die rote Anfangszeile lautet: "Wie eine schlach zu Buchennans [Buonas ZG] ist beschechenn." Das Treffen zwischen den Eidgenossen und Österreich soll laut Russ 1333 stattgefunden haben.<BR/>
Initiale aus seiner Chronik, um 1482 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Ms. 1a fol., S. 23).
(...)

Als Chronist und Historiker wird R. von der modernen Forschung vorwiegend negativ beurteilt. Die 1482-88 von ihm verfasste Chronik Luzerns, angeregt durch das Vorbild des Berners Diebold Schilling, ist zu grossen Teilen bei Konrad Justinger entlehnt; eingestreut sind luzernspezif. Ausschnitte aus teilweise verlorenen städt. Quellen. Besonders sagenhaft schildert R. die Frühgeschichte Luzerns. Die eidg. Gründungsgeschichte enthält die Tellsage in einer älteren - in Uri mündlich überlieferten - Form als das Weisse Buch von Sarnen. In der Chronik von R. taucht in der Darstellung der Schlacht von Sempach erstmals ein kampfentscheidender Held als Motiv auf; Petermann von Gundoldingen, dem R. als Vertreter eines luzern.-städt. Standpunkts diese Rolle zuschrieb, vermochte sich aber in der frühen Neuzeit als schweiz. Identifikationsfigur nicht gegen Winkelried zu behaupten.


Werke
Eidg. Chronik, hg. von J. Schneller, 1834
– M. Vonarburg Züllig, Melchior R.: Cronika, 2009
Literatur
– P. Bänziger, Beitr. zur Gesch. der Spätscholastik und des Frühhumanismus in der Schweiz, 1945
– Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 1, 62 f.
– K. Wanner, «Schreiber, Chronisten und Frühhumanisten in der Luzerner Stadtkanzlei des 15. Jh.», in JHGL 18, 2000, 2-44
– G.P. Marchal, Schweizer Gebrauchsgesch., 2006

Autorin/Autor: Gregor Egloff