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Ladame, Charles

geboren 19.6.1871 Le Locle, gestorben 28.10.1949 Genf, ref., von Neuenburg und Genf. Sohn des Paul-Louis ( -> 4). ∞ 1) 1899 Elisabeth Jevleff, Tochter des Alexis, eines aus Russland stammenden Adeligen (1914 Scheidung), 2) 1915 Hélène Loeber, Tochter des Gérard Gottlieb Anton. Medizinstud. an der Univ. Lausanne. 1905-24 Belegarzt an der Klinik St. Pirminsberg (Gem. Pfäfers), 1925-39 Direktor der psychiatr. Klinik Bel-Air in Genf. Prof. für Psychiatrie an der medizin. Fakultät der Univ. Genf. L. war ein überzeugter Anhänger der Arbeitstherapie und legte starkes Gewicht auf die Beziehung zwischen Patient und Arzt. Er setzte sich für Reformen in der Psychiatrie und die Wiedereingliederung der Kranken ein. 1918 begann er Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von Patienten zu sammeln, für die er 1927 in einem Pavillon von Bel-Air ein kleines Museum einrichtete. In seinen Artikeln und Vorträgen verfocht er die Meinung, dass die Geisteskrankheit künstler. Neigungen freisetzen kann. 1945 besuchte ihn Jean Dubuffet anlässlich seiner Schweizerreise. Ihre gemeinsamen Ansichten über das, was man später als Art Brut bezeichnete, bewogen L. zu einer Schenkung von rund 40 Werken von Künstlern wie Robert Gie, Julie Bar, Jean Mar, Joseph Heu und Berthe U. Seine Sammlung sollte zu einem Schwerpunkt der Collection de l' Art Brut in Lausanne werden.


Literatur
– L. Peiry, Charles L. ou le cabinet fou d'un psychiatre, 1991

Autorin/Autor: Michel Thévoz / PTO