24/11/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Ruschein

Polit. Gem. GR, Kreis Ilanz, Bez. Surselva. Terrassensiedlung auf der nördl. Talseite des Vorderrheins mit Alp da R. zuhinterst im Val da Siat. 765 Rucene (Kopie des 17. Jh.), um 1160 Rusine. 1850 245 Einw.; 1900 277; 1950 309; 1980 283; 2000 356. Prähist. Kultzentrum im Bereich der Burgruine Frauenberg-St. Valentin-Crap Fravi (Megalithe, Schalensteine, Fundgut aus der Bronzezeit). In R. lag in karoling. Zeit ein Grosshof mit Herrenhaus. Die vermutlich aus dem 7. Jh. stammende Kirche (Patron St. Georg 1440 erw.) war um 840 dem Kloster Pfäfers zehntpflichtig, die Kollatur ging 1489 von diesem an die Abtei Disentis über. St. Georg war bis 1526 Mutterkirche von Siat, bis 1684 von Ladir. R. blieb beim alten Glauben; elf ref. Fam. von R. und Ladir mussten 1556 ausziehen. Die Burg Frauenberg (rom. Frunsberg) war im 13.-14. Jh. Herrschaftssitz der gleichnamigen Freiherren. In dezentralisierter Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur wurden in R. Acker-, Gartenbau und Viehwirtschaft betrieben. Im 15.-18. Jh. als Nachbarschaft mit Ladir und Schnaus verbunden, bildete das rom. R. zu Beginn des 21. Jh. mit diesen Gemeinden eine Alpkorporation. 1963-94 Gesamtmelioration der Landwirtschaft (Viehwirtschaft, kaum mehr Ackerbau). 2005 arbeiteten noch 45% der im Dorf Erwerbstätigen im 1. Sektor. Der Pendleranteil nach den Zentren des Vorderrheintals war hoch. Bescheidener Tourismus am Rande der "weissen Arena" von Laax.


Literatur
– L. Cadruvi, R., 1984
– U. und G. Büchi, Die Megalithe der Surselva 4, 1986

Autorin/Autor: Adolf Collenberg