No 33

Hess, Walter Rudolf

geboren 17.3.1881 Frauenfeld, gestorben 12.8.1973 Ascona, konfessionslos, von Zug und Zürich, Ehrenbürger von Ascona. Sohn des Clemens, Physiklehrers und Meteorologen. ∞ 1908 Louise Sandmeier, Arztgehilfin. H. studierte Medizin und promovierte 1906 in Zürich. Bei Otto Haab bildete er sich zum Augenarzt aus und arbeitete, bevor er sich der physiolog. Forschung zuwandte, drei Jahre in einer Praxis in Rapperswil (SG). 1912 wurde er Assistent bei Justus Gaule in Zürich. Es folgten Studienaufenthalte in Deutschland und nach dem Krieg in England. Ab 1913 PD, wurde er 1917 vom Zürcher Regierungsrat als Nachfolger Gaules zum Prof. für Physiologie gewählt. 1951 trat H. in den Ruhestand.

H.' Forschungsarbeit konzentrierte sich zunächst auf die Regulation des Blutkreislaufes und der Atmung durch das vegetative Nervensystem. 1931 erhielt er dafür den Marcel-Benoist-Preis. Doch war der Organismus seiner Ansicht nach ein unteilbares Ganzes, dessen einzelne Funktionen wie etwa der Kreislauf nicht selbstständig handelten, sondern Teile eines Regulationssystems bildeten, das diese im Dienst des Ganzen lenkte. Die übergeordnete Regulation lokalisierte er im Hirnstamm. Für deren Erforschung entwickelte H. 1932 eine eigene Methodik: die punktförmige Reizung oder Ausschaltung kleinster Zellgruppen mittels feinster Elektroden. Im Zwischenhirn fand und kartografierte er bei der Katze die Zentren, die über die vegetativen Nervenbahnen die Funktionen der einzelnen Organe zu Verhaltensweisen des Gesamtorganismus zusammenfassen. Er entdeckte zwei gegensätzl. Einstellungen: die ergotrope, mit der sich das Tier oder der Mensch in seiner Umwelt behauptet, und die trophotrope, dank welcher der Organismus sich erholt, ernährt und restauriert. Für "seine Entdeckung der funktionellen Organisation des Zwischenhirns als Koordinator der Aktivitäten der inneren Organe" erhielt H. 1949 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.


Werke
Die funktionelle Organisation des vegetativen Nervensystems, 1948
Literatur
Nobel lectures in physiology or medicine, 1964, 244-258
– P.G. Waser, «Walter Rudolf H.», in Gesnerus 39, 1982, 279-286
– M. Stuber, S. Kraut, Der Marcel Benoist-Preis 1920-1995, 1995

Autorin/Autor: Huldrych M.F. Koelbing