05/11/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Laax (Gemeinde)

Polit. Gem. GR, Kreis Ilanz, Bez. Surselva. L. liegt auf einer kleinen Terrasse mit zwei Seen über dem Ual da Mulin am nördl. Abhang des Vorderrheintals. Aussensiedlungen sind Salums, Cons, Uletsch, Staderas und Murschetg. 1290/98 Lages, rätorom. Lags. 1850 277 Einw.; 1900 280; 1950 328; 1970 480; 2000 1'150. Schalensteine megalith. Natur (Crap Fraissen) weisen in die frühe Urgeschichte. Eine Siedlung L. entstand erst im HochMA durch Rodungsarbeit freier rom. Bauern auf Allmendgebiet von Sagogn. Älteren Ursprungs als das Dorf L. waren die 765 erw. Gebäude in Lavanuz mit Ackerflur und Wässerwiesen.

Um 1300 bildete L. mit der Feste Langenberg (rätorom. Cuolm Liung) und der Marktstätte Marcau ein Zentrum der Herrschaft L. und des Verbandes der Freien ob dem Flimserwald. Ob die gesamte Bevölkerung von L. diesem Verband angehörte, ist nicht bekannt. Kirchlich gehörte L. bis 1525 zur Pfarrkirche Sagogn, ab 1309 als selbstständige Kaplanei. Die Kirchenpatrone St. Othmar und Gallus bestätigen die späte Entstehung der Siedlung. Drei Wegkapellen wurden um 1500 erbaut: St. Jakob am alten Weg nach Sagogn, St. Sebastian am alten Weg nach Ilanz und St. Nikolaus an der Landstrasse nach Flims. Eine sukzessive Herauslösung des Dorfes L., von Berggütern und Alpen aus dem ökonom. Verband mit Sagogn ab dem 15. Jh. war erst im 19. Jh. abgeschlossen. Eine Dorfordnung in dt. Fassung stammt von 1645, eine rätorom. Version aus dem 19. Jh. Zwischen 1654 und 1732 fanden wiederholt Hexenprozesse statt. Führende Geschlechter im 16. bis 19. Jh. waren die Jochberg, Montalta, Coray und Toggenburg mit entsprechenden Bürgerhäusern, z.B. der Casa Liunga 1609. Im 19. Jh. entstanden div. Gewerbebetriebe: Mühle und Säge am Ual da Mulin, Gerberei und zwei Färbereien am Ufer des Lag Grond (Stoffpresse im Rät. Museum in Chur), Schmiede im Dorfkern, Kalkgruben und -öfen (caltgeras, 1550 erw.) in der Umgebung.

Der Luftkurort L. nahm Ende des 19. Jh. mit der Eröffnung des ersten Hotels (1880 Seehof mit angeschlossener Badeanstalt) und einem Ferienkoloniegebäude einen ersten, bescheidenen Anfang. Ein rasanter tourist. Aufschwung setzte in den 1960er Jahren ein: Die Bergbahnen Crap Sogn Gion AG wurden ständig ausgebaut, die Alpen von Nagiens und des Vorabgletschers als (Sommer-)Skigebiet erschlossen, eine enorme Bautätigkeit (Hotels, Appartementhäuser und Parahotellerie) führte auch zur Entstehung von Retortendörfern in Cons, Marcau, Uletsch und Murschetg. Der Rückgang der Landwirtschaft (1990 noch sieben Bauernbetriebe), eine übermässige Verteuerung des Bodens sowie starke Belastungen durch den motorisierten Verkehr waren die Folgen. 2000 arbeiteten vier Fünftel der in L. Erwerbstätigen im 3. Sektor. Die 1974 gegr. Stiftung Pro Laax fördert Kunstschaffen, Brauchtum, Sport und namentlich die rätorom. Sprache. Diese hatten 1920 noch fast alle Einwohner beherrscht, während sie 2000 nur mehr knapp die Hälfte sprach.


Literatur
L., 1978

Autorin/Autor: Martin Bundi