28/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Falera

Polit. Gem. GR, Kreis Ilanz, Bez. Surselva. Terrassendorf am linken Vorderrhein auf 1218 m. 765 Falariae, dt. Fellers. 1850 415 Einw.; 1900 322; 1930 289; 1950 370; 1970 309; 2000 504. Auf der südöstl. Terrassenkante Muota befindet sich eine teilweise freigelegte bronzezeitl. Siedlung. Wichtigste Fundstücke sind eine 80 cm lange Scheibennadel aus Bronze (ca. 1600 v.Chr.) und zwei Bronzesicheln. Aus der Eisenzeit sind vereinzelte Funde überliefert (800-400 v.Chr.). Die megalith. Steinreihen unterhalb der Muota sind vermutlich Relikte eines "prähist. Sonnenkultzentrums". Am Rande des Schleuiser Tobels lag die heute verfallene Stammburg der Herren von Wildenberg. Nach 1319 kam die Burg in den Besitz der Gf. von Werdenberg-Heiligenberg, ab ca. 1408 der Rink. 1538 löste F. die bischöfl. Feudalrechte aus. Die Reformation fasste Fuss, vermochte sich aber langfristig nicht durchzusetzen. 1701 war F. am sog. Sagenserhandel auf kath. Seite beteiligt und wurde vom ref. Kriegsrat gebüsst. Im Gebiet, in dem die bronzezeitl. Siedlung lag, steht die 831 erw. Pfarrkirche St. Remigius. 1491 wurde der heutige Bau geweiht und der Abtei Disentis inkorporiert. Im Laufe des 17. Jh. ging die Kollatur auf die Gem. über. Seit dem Bau der neuen Pfarrkirche 1903-04 wird St. Remigius nur für besondere Anlässe benutzt. Der Bau steht unter Denkmalschutz. Das Bergbauerndorf wandelte sich nach 1965 im Sog von Laax/Flims rasch zum Tourismusort mit Anschluss an das Skigebiet Weisse Arena. Der ehemals bäuerl. Dorfkern wird heute von einem riesigen Ring von Ferienwohnungen und Hotels umgeben (1989 entfielen von den Logiernächten knapp 60% auf die Parahotellerie). 1992 wurde eine Reduktion des Zweitwohnungsbaus beschlossen. 2000 lebten in F. ca. 40% Wegpendler; gut die Hälfte der Erwerbstätigen war im 3. Sektor, rund ein Fünftel im 1. tätig. Zwei Drittel sind rätorom. Muttersprache. 2003 wurde das Begegnungszentrum La Fermata eröffnet.


Literatur
– I. Cathomen, I. Winzap, F., 2002 (dt. und rätorom.)

Autorin/Autor: Adolf Collenberg