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Castrisch

Polit. Gem. GR, Kreis Ilanz, Bez. Surselva. C. liegt am alten Übergang über den Vorderrhein und am Weg von Schluein nach Safien. 765 Castrices, bis 1943 dt. Kästris. 1850 469 Einw.; 1900 469; 1950 362; 1990 337; 2000 412.

Schalensteine mit Rillen wohl urgeschichtl. Ursprungs oberhalb des Dorfes. Der Dorfname (lat. castrum) weist auf eine frühe Wehranlage am Standort der St. Georgskirche hin. C. gehörte im FrühMA, vermutlich zusammen mit Sevgein, zur Grosspfarrei Sagogn. Die Dorfkirche St. Georg, um 840 als karoling. Reichsgut mit Zehnten in C. und Sevgein erwähnt, erscheint um 1340 als eigene Pfarrei. Beitritt zur Reformation und deshalb Abtrennung von Sevgein vor 1537. Im 12. Jh. sind Edle von C. (1137/39 de Castrisis) bezeugt. Als Herrschaftssitz ist die östlich des Dorfes gelegene Ruine Casti zu vermuten, ein Kastell mit Michaelskapelle und Kollaturrecht an St. Georg. Bis 1371 war die Herrschaft C. im Besitz der Belmont, danach der Frh. von Rhäzüns, 1390 bischöfl. Lehen der Sax-Misox. 1483 erfolgte der Verkauf an das Bistum Chur, 1538 der Auskauf der Herrschaftsrechte durch die Gemeinde. Bei der Flur Sessafret (heute Saissafratga oder Sassfau) am einstigen Rheinübergang lag die ma. Gerichtsstätte der Freien ob dem Wald. Am Bach westlich von C. standen gemäss Überlieferung noch bis ins 19. Jh. sechs Kornmühlen. Die einstige Bedeutung des Ackerbaus belegen auch die Häuser mit Toreinfahrt im Dorfkern. 1903 wurde die RhB-Station eröffnet. Ende des 20. Jh. wurde im gemischtsprachigen Dorf (2000 48,5% rätoromanisch, 48,1% deutsch) neben Vieh- und Alpwirtschaft (Alprechte auf Alp Clavel, Gem. Lumbrein) wenig Acker- (Mais) und Obstbau in der Rheinebene betrieben. Es bestehen einige Gewerbebetriebe. In den 1970er und 80er Jahren wurde die Einführung des Frauenstimmrechts auf kommunaler Ebene viermal abgelehnt.


Literatur
Kdm GR 4, 1942, 66-69
– O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984, 81 f.
Gem. GR

Autorin/Autor: Martin Bundi