Brusio

Polit. Gem. GR, Kreis B., Bez. Bernina. Die im unteren Puschlav gelegene Gem. umfasst neben den an der Kantonsstrasse über die Bernina gelegenen Weilern Campocologno, Zalende, Campascio, B., Piazzo und Miralago u.a. auch die hoch über der Talsohle liegenden Siedlungen Viano und Cavajone. 1106 Bruse, 1212 Brusio, dt. früher Brüs, rätorom. früher Brüsch. 1803 620 Einw.; 1850 1'000; 1900 1'199; 1950 1'528; 2000 1'202. Nachhaltigen Einfluss auf Besiedlung und Urbarisierung in B. hatte die Gründung der Brüdergemeinschaft von San Romerio (früher San Remigio) oberhalb von B. (1055 erstmals erw.). Schon 1212 erscheint B. als autonome Gem. mit einem Dekan, der die Interessen der Gem. nach aussen vertrat. Das ganze Puschlav war vom 13. Jh. an Lehensgut des Bf. von Chur. Im Verlaufe des 14. Jh. wurde B. Teil der sich weitgehend selbst verwaltenden Talgemeinde Poschiavo. Im Zuge der Bündner Eroberung des Veltlins wurden die Siedlungen Campocologno (1518) und Zalende (1526) eingemeindet. Nach einem gescheiterten Versuch 1610 löste sich B. 1851 endgültig von Poschiavo. 1863 stiess das bisher ital. Seitental Saiento mit dem Weiler Cavajone hinzu.

Kirchlich gehörte B. ursprünglich zur Grosspfarrei S. Lorenzo in Villa di Tirano (Veltlin), danach zur Pfarrei S. Vittore in Poschiavo. 1271 wird die Kirche Santissima Trinità erstmals erwähnt, doch wurde B. erst 1501 nach der Trennung von Poschiavo selbstständige Pfarrei. 1590 erfolgte die Bildung einer ref. Gem., die sich 1645 eine eigene Kirche baute. Im 17. Jh. wurden die Reformierten weitgehend vertrieben, ihr heutiger Anteil beträgt noch 9% (1990). Die kath. Pfarrei B. löste sich 1870 von der Diözese Como und wurde dem Bistum Chur angegliedert. 1966 löste sich Campocologno als selbstständige Pfarrei von B. Mit der Inbetriebnahme der Kraftwerke B. 1906 und der Berninabahn 1910 begann ein wirtschaftl. Aufschwung, insbesondere durch den Handel mit Wein, Früchten und Gemüse und dem Anbau von Tabak; zwar kamen seit den 1960er Jahren Grenzverkehr (280 Zupendler) und Textilindustrie hinzu, doch schrumpfte die Zahl der Erwerbstätigen von 1920 bis 1980 von 730 auf 450 (50% im 3., 35% im 2. Sektor).


Literatur
– R. Bornatico, P. Pianta, Storia di B., 1959
– R. Tognina, Origine e sviluppo del comun grande di Poschiavo e B., 1975

Autorin/Autor: Fernando Iseppi