17/10/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Tinizong

Ehem. polit. Gem. GR, Kreis Surses, Bez. Albula, 1998 Zusammenschluss mit Rona zur polit. Gem. T.-Rona. An der Julierpassstrasse gelegen. Um 280 Tinnetione; dt. Tinzen. 1850 413 Einw., 1900 408; 1950 409; 1990 281. Im Itinerarium Antonini wurde Tinnetione als Station der röm. Septimerroute bezeichnet. Vom MA bis ins 19. Jh. war T. Sustenort der Portengenossenschaft Oberhalbstein. In T. bestanden in karoling. Zeit ein Königshof und im MA drei nun verschwundene Wehrtürme. T. war Sitz der Herren von T. und von Marmels. Die 1180 erstmals erw. Kirche St. Blasius besitzt seit dem spätgot. Umbau 1512 einen Flügelaltar. 1610 verwüstete ein Dorfbrand den Ort. Die Kirche wurde 1663 durch die Kapuziner, die ab 1634 in T. wirkten, neu errichtet. Von der Bronzezeit bis zum 2. Weltkrieg wurden im Val d'Err Manganerze abgebaut, darunter die seltenen Tinzenit, Parsettensit und Sursassit. Im einstigen Bauerndorf, wo das Transportgewerbe einen Zusatzverdienst bot, gibt es heute etwas Gewerbe, zwei Hotels und eine grosse Ferienhaussiedlung. Seit 1953 besteht in T. die Zentrale Marmorera des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich. Auch nach der Fusion von T. mit Rona 1998 blieben die Gem. kirchlich getrennt.


Literatur
Kdm GR 3, 1940, 303-313
– G.N. Spegnas, «T.», in Igl Noss Sulom 43, 1964
– P. Jegher, «Las minieras da T.», in Annalas 101, 1988, 83-95

Autorin/Autor: Gion Peder Thöni