• <b>Fritz Brupbacher</b><br>Rechts der Arzt, neben ihm Edy Meyer, einer der Leiter der Jungsozialisten. Um 1920 entstandene Fotografie (Schweizerisches Sozialarchiv, F Fb-0012-11).

No 1

Brupbacher, Fritz

geboren 30.6.1874 Zürich, gestorben 1.1.1945 Zürich, ref., konfessionslos, von Zürich. Sohn des Karl Friedrich, zuletzt Hoteliers, und der Anna Barbara geb. Grau, von Dietikon. ∞ 1) 1901 Lydia Petrowna Kotschetkowa, Ärztin in Russland, aus Samara (Russland), 2) 1916 Helmi Körw, aus Reval (Russland, heute Tallinn, Estland), 3) 1924 Paulette Raygrodski ( -> 2). Aus begütertem Elternhaus, Schulen in Zürich. 1893-98 Medizinstud. in Genf und ab 1894 in Zürich, Staatsexamen; die Promotion wurde B. wegen einer Schrift gegen den Göttinger Gynäkologen Runge (1899) verweigert. Nach einer psychiatr. Ausbildung in Paris (1899) und Jahren als Assistent und Arzt (1899-1901) in einer Irrenanstalt in Kilchberg (ZH) praktizierte B. ab 1901 als Arzt im Arbeiterquartier Zürich-Aussersihl. Wiederholt reiste er nach Russland und in die Sowjetunion. B. gehörte zu den Vorkämpfern der Geburtenregelung. In den 1920er Jahren setzte er sich mit seiner Frau Paulette für die legale Abtreibung ein und wurde zu einem international angesehenen Wegbereiter der Sexualreform.

Ab 1898 Mitglied der Sozialdemokrat. Partei (SP) und 1901-04 im Zürcher Gr. Stadtrat, wandte sich B. früh gegen die Beschränkung der Sozialdemokratie auf parlamentar. Reformen. Er forderte die Emanzipation des ganzen Menschen, von Mann und Frau, in einem anarchistisch geprägten freiheitl. Sozialismus. Im revolutionären Syndikalismus sah er einen Weg für die Selbstbetätigung der Arbeiter. Das Eingreifen des Staates sollte mit dem Aufbau der von ihm 1905 mitbegründeten Antimilitarist. Liga verhindert werden. B. propagierte seine Ideen in Vorträgen, Kursen, Artikeln und von ihm mitbegründeten Zeitschriften. Von der SP wiederholt kritisiert und mit Ausschluss bedroht, zog er sich 1914 zurück und trat 1920 aus der Partei aus. 1921 schloss er sich der neu gegründeten Kommunist. Partei an, wo er sich in der Bildungsarbeit und in der Redaktionskommission des "Kämpfers" engagierte. Seine Kritik an der zunehmend stalinist. Partei führte 1933 zum Ausschluss. Danach war B. politisch nicht mehr aktiv, pflegte jedoch weiter seine vielfältigen internationalen wiss. und polit. Kontakte.

<b>Fritz Brupbacher</b><br>Rechts der Arzt, neben ihm Edy Meyer, einer der Leiter der Jungsozialisten. Um 1920 entstandene Fotografie (Schweizerisches Sozialarchiv, F Fb-0012-11).<BR/>
Rechts der Arzt, neben ihm Edy Meyer, einer der Leiter der Jungsozialisten. Um 1920 entstandene Fotografie (Schweizerisches Sozialarchiv, F Fb-0012-11).
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Werke
60 Jahre Ketzer, Selbstbiogr., 1935 (31981)
Archive
– Nachlass im Sozarch und im Internat. Inst. für Sozialgesch., Amsterdam
Literatur
– K. Lang, Kritiker, Ketzer, Kämpfer, [1975] (21983)
– K. Huser Bugmann Eine revolutionäre Ehe in Briefen, 2003

Autorin/Autor: Markus Bürgi