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Riom

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Ehem. polit. Gem. GR, Kreis Surses, Bez. Albula, am alten Weg zum Julierpass gelegen. 1979 vereinigte sich R. mit Parsonz zur polit. Gem. R.-Parsonz. Um 840 Villa Riamio, dt. Reams. 1850 294 Einw.; 1900 221; 1950 230; 1970 207.

1 - Römische Zeit

Beim Strassenbau stiess man 1974/75 knapp unterhalb des Dorfs auf röm. Mauern. Bei den ausgedehnten Grabungen, welche der archäolog. Dienst 1979-83 vornahm, wurden zahlreiche röm. Gebäudereste freigelegt, darunter ein mächtiges Gebäude von etwa 30 x 20 m Ausmass, das höchstwahrscheinlich als mutatio (Herberge mit Stallungen) gedient hatte. Im Gebäude fanden sich zahlreiche beheizbare Räume, bedeutende Wandmalereien (Darstellung des Amors), ein verkohlter Holzbretterboden und Schmiedegruben. Im Übrigen wurden mehrere Nebengebäude gefasst, darunter zwei mit Hypokaustheizung, ein Backhäuschen und mehrere Holzgebäude mit Herdstellen. Die Herberge lag an der mit Wagen befahrbaren röm. Julierstrasse. Viele Funde zeugen von einem intensiven Alpenpasshandel. Die röm. Siedlung von R. wurde vom frühen 1. bis ins 4. Jh. n.Chr. genutzt. Mehrere bescheidene Holzhütten mit Herdstellen belegen eine Besiedlungskontinuität bis ins FrühMA (6./7. Jh.).

Autorin/Autor: Jürg Rageth

2 - Mittelalter und Neuzeit

Im churrät. Reichsgutsurbar wird R. um 840 als königl. Eigengut und Verwaltungszentrum angeführt. Letztere Funktion hatte der Ort auch 1258-1552 in der bischöfl. Herrschaft Oberhalbstein inne; ausserdem bildete er die vermutlich älteste Pfarrei und beherbergte die älteste Taufkirche des Tals. Die got. Kirche St. Laurentius von 1461 wurde 1677 durch einen von Kapuzinern erstellten Nachfolgebau ersetzt; kirchlich gehörten Parsonz 1641-1726 und Cunter bis 1725 zu R. Im HochMA errichteten die aus Bozen stammenden königl. Verwalter von Wangen die starke Burg Rätia Ampla (der heutige Bau datiert aus dem 13. Jh.), die schon 1258 samt deren Güter an den Bischof ging. Von da an war R. bis zur Ablösung der bischöfl. Herrschaft 1552 Sitz der bischöfl. Vögte, dann bis gegen 1780 der Landvögte des Hochgerichts Oberhalbstein im Gotteshausbund. Die Landvögte stammten meist aus bedeutenden einheim. Geschlechtern (von Marmels, Fontana, Frisch, Scarpatetti). Die Burg war ab dem 16. Jh. unbewohnt, wurde jedoch bis um die Mitte des 18. Jh. als Tagungsort der Landsgemeinde genutzt. Vom 14. Jh. bis 1850 boten Passverkehr auf der Oberen Strasse (Septimer, Julier/Maloja) und der Erztransport von Val Schmorras, einem Ausläufer des Val Nandro, zur Schmelze Flix, für die weite Teile des Gemeindegebiets abgeholzt wurden, den Bauern Zusatzverdienste. 1864 zerstörte ein verheerender Brand fast ganz R. Von den einst bis zu 75 Bauernbetrieben bestanden zu Beginn des 21. Jh. noch gut zwei Dutzend, wobei deren Fortbestand durch die Gesamtmelioration (1958-89, zusammen mit Parsonz) erleichtert wurde. In Alpkorporation mit Parsonz, Cunter und Savognin wird das Val Nandro genutzt. Von 1950 an wandelte sich R. zum Ferienort dank des Tourismuszentrums Savognin, von dessen Skipisten 95% im Gebiet R.s liegen, ebenso die grosse Ferienhaussiedlung Tigignas. Das Angebot der Parahotellerie ist mit über 700 Betten gross. Anstelle der früheren Gemeindeschule - 1850 wies R. allein 50 Schüler auf - wurde zu Beginn des 21. Jh. nur mehr eine Unterschule des Konsortiums, zu dem sich R. mit den umliegenden Gem. zusammengeschlossen hat, geführt. In der Gem. R.-Parsonz waren 2000 64% der Bevölkerung romanisch- und 32% deutschsprachig.

Autorin/Autor: Gion Peder Thöni

Quellen und Literatur

Literatur